Ein Stück Sehnsucht im Sonnengarten – Ein Besuch bei Andrè in Sorsum

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Schon gewußt?
Wusstest du, dass Laufenten im Garten nicht nur charmant aussehen, sondern auch wahre „Schnecken-Polizisten“ sind? 🦆 Sie lieben Nacktschnecken – und zwar so sehr, dass sie fast alle finden, bevor die Schnecken das Gemüse anfressen können. Viele Permakultur-Gärten setzen sie deshalb gezielt ein, um auf natürliche Weise das Gleichgewicht zu halten.

Etwas wehmütig fahre ich nach Hause. Es ist nicht so, dass ich mein Zuhause nicht liebe – meinen Garten, mein Haus, meine Familie. Und doch: Der Sonnengarten in Sorsum hinterlässt in mir jedes Mal ein Stück Sehnsucht. Sehnsucht nach einer anderen Welt, nach Orten, die blühen und pulsieren, voller Bäume, Insekten, voller Genüsse, Liebe und Leidenschaft.

André hat hier ein Paradies erschaffen. Auf zwei Hektar wächst alles, was man sich nur vorstellen kann – wild, üppig, lebendig. Nichts ist ordentlich, gradlinig oder unkrautfrei. Kein steriler Rasen wie in so vielen Vorgärten. Stattdessen Laufenten, die meine Wege kreuzen und mich ein wenig missmutig mustern, wenn ich ihnen zu nahe komme. Ich streife durch die Beete, vorbei an alten Bäumen, die Geschichten in sich tragen, rieche den frischen, nährstoffreichen Kompost und gehe hinüber zur Streuobstwiese. Die Äste biegen sich unter der Last von Äpfeln, Birnen, Nashi-Birnen und Pflaumen.

In der Ferne spielt eine Band, die diesen Ort mit Musik verzaubert. Ansonsten herrscht Stille – und doch summt und brummt es überall, wenn man genau hinhört. Die Bienen tanzen durch die Goldrute, als würden sie das Paradies selbst feiern. Ich treffe Arian und Henrike von der Solawi Immergrün – zwei Herzensmenschen. Wir erzählen, lachen, probieren uns quer durch das Obstparadies. Hoffentlich sieht uns André nicht, der gerade seine Führung gibt, voller Begeisterung, voller Wissen.

Er teilt seine Leidenschaft mit den vielen Besuchern, die staunend über diesen Ort wandern. Eine Wolke zieht auf, feiner Regen setzt ein. Wir flüchten ins Gewächshaus, das überquillt vor Tomaten, Mangold, Beinwell, Blumen. Der Rucola wuchert und André nimmt es gelassen. Diese Gelassenheit bewundere ich an ihm: Zwei Hektar Land zu pflegen, dreißig Menschen mit Gemüse zu versorgen – und dennoch ruhig zu bleiben.

Henrike sammelt Eindrücke für ihre Solawi, während ich mit Arian den fünften Apfel verdrücke. Mein Bauch ist längst satt, doch mein Herz nicht. Auf dem Weg zum Kräutergarten duftet mir der Thymian entgegen. Mein Herz geht auf. Für mich ist das Medizin: Natur, Duft, Insekten – pures Leben. Doch irgendwann ruft mein Zuhause. Ich verabschiede mich, nehme ein Stück Beinwell mit, steige ins Auto. Auf der Fahrt zurück denke ich darüber nach, wie wir mehr solcher Orte schaffen könnten. Oasen, die zwischen Straßen und Beton aufblühen.

Angekommen pflanze ich meinen Beinwell ein. Ich bin dankbar – dafür, dass es Menschen wie André, Henrike und Arian gibt. Dankbar für das, was wächst. Dankbar, Teil einer Gemeinschaft zu sein, die solche Orte hütet und pflegt. Und irgendwo in mir bleibt diese Sehnsucht – nicht als Schmerz, sondern als stille Erinnerung daran, dass es möglich ist: Gärten voller Leben, voller Liebe, voller Zukunft.

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