Im Einklang mit dem Unveränderlichen — Wie der Stoizismus mein Leben auf den Kopf stellte

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Schon gewußt?
Die alten Stoiker übten regelmäßig die „praemeditatio malorum“ — sie stellten sich bewusst vor, was alles schiefgehen könnte. Nicht um sich zu ängstigen, sondern um vorbereitet und gelassen zu bleiben, wenn das Leben tatsächlich Sturm schickt.

Es gibt Bücher, die findest du nicht. Sie finden dich. So war es 2019, als ich in der kleinen Buchhandlung Ameis Buchecke stand — ein stiller Ort voller sorgfältig ausgewählter, besonderer Bücher, die man nicht überall findet. Zwischen diesen Regalbrettern, die nach frischem Holz und Papier dufteten, stand es plötzlich vor mir: ein schlichtes, gar nicht altes Buch, unscheinbar im Titel, fast zu leise für all das, was es in mir auslösen sollte:

Das kleine Handbuch des Stoizismus.

Damals war ich noch ein anderer. Ein Mensch, der sehr gut darin war, sich Sorgen zu machen — über alles Mögliche. Über die Zukunft, über kleine Missgeschicke, über das, was sein könnte, was nie war und was vielleicht nie sein wird. Ich habe Gedanken gewälzt bis tief in die Nacht, habe Szenarien gebaut, die nie eingetreten sind und mir damit selbst die Kraft geraubt. Und je mehr ich grübelte, desto größer wurde dieses dumpfe Gefühl: Ohnmacht. Angst

Dann kam dieses Buch. Ein kleines Buch, das mir beigebracht hat, dass es eine Entscheidung ist, ob ich alles an mich heranlasse. Dass ich wählen darf, wie ich mit dem umgehe, was mir das Leben so vor die Füße wirft.

Die Essenz: Was ist Stoizismus?

Wenn ich es in einem Satz sagen müsste — ganz ohne kluge Zitate — dann so:

Kümmere dich nicht um das, was du nicht ändern kannst. Und kümmere dich um das, was du ändern kannst.

So einfach. So unbequem. Denn es nimmt einem die Lieblingsbeschäftigung: das Grübeln. Das Wälzen. Das Hoffen, dass sich von alleine etwas tut, wenn man sich nur genug Sorgen macht. Ob irgendwo ein Krieg ausbricht. Ob einer mich mag oder nicht. Ob ich vor den Bus laufe. Ob morgen ein Sturm mein Beet zerfetzt oder die Sonne scheint. Ich kann es nicht ändern. Was ich ändern kann, ist meine Haltung. Mein Tun. Meine Worte. Meine kleinen Gesten.

Ich kann entscheiden, ob ich ein guter Vater bin, ein guter Ehemann, ein guter Gärtner dieser Erde. Ob ich morgens mit Sorgen aufstehe oder mit einem klaren Kopf. Ob ich Nachrichten scrolle oder Vögel beobachte.

Ein Garten im Kopf

Der Stoizismus ist für mich wie ein Garten. Er muss gepflegt werden. Unkraut zupfen — das sind die Gedanken, die mich nachts wach halten. Kompost machen — aus alten Ängsten neuen Nährboden ziehen. Neues pflanzen — Haltung, Mut, Güte. Und es braucht Übung. Jeden Tag. Es ist keine Lehre, die man einmal liest und dann läuft’s. Es ist ein tägliches Daran-Erinnern: Was liegt in meiner Hand? Mehr nicht. Und genau darin liegt alles.

Ein stiller Widerstand gegen das Chaos

2019, noch vor allem, was dann kam, habe ich aufgehört, Nachrichten zu konsumieren. Nicht, weil ich gleichgültig bin. Sondern weil ich begriffen habe, dass meine Energie besser aufgehoben ist bei den Dingen, die ich wirklich beeinflussen kann. Also gärtnere ich. Koche bewusst. Bin da für meine Frau, meine Tochter, meine Freunde. Pflanze Bäume. Esse gesund. Gehe laufen. Lache viel.

Und ja, ich scheitere auch. Ich verfalle wieder in Grübeleien, klicke doch mal auf irgendeinen Link, reg mich auf. Aber dann klappe ich mein kleines Handbuch wieder auf oder höre eine Folge von meinem Stoizismus-Podcast. Und erinnere mich: Ich darf loslassen.

Ein leiser Appell

Vielleicht wäre diese Welt eine andere, wenn mehr Menschen stoisch wären. Nicht gleichgültig — sondern still im Kopf und stark im Herzen. Wenn wir alle ein bisschen mehr im Kleinen wirken würden, statt im Großen zu verzweifeln. Wenn jeder bei sich aufräumt, den eigenen Garten bestellt — dann entsteht Gemeinschaft. Dann wächst etwas.

Deshalb möchte ich dir diese alte, einfache Lehre ans Herz legen. Lies ein Buch. Hör einen Podcast. Oder sitz einfach still da und frag dich: Was liegt in meiner Macht? Mehr braucht es nicht. Bleib mild. Bleib wach. Bleib standhaft wie ein alter Baum im Sturm. Und kümmere dich gut um deinen kleinen Garten.

In diesem Sinne — dein Sven

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