Ich kenne dieses Spiel. Jeden einzelnen Tag. Man steht morgens auf und spürt sofort, in welche Richtung sich der Körper heute bewegt. Es gibt diese Tage, da bist du bei dir. Ausgeglichen. Ruhig. Du hast Energie, Fokus, eine gewisse Klarheit im Kopf. Alles fühlt sich stimmig an. Und dann gibt es die anderen Tage. Da zerreißt es dich innerlich. Die Gedanken fliegen in alle Richtungen, nichts bleibt hängen, alles ist zu laut.

Du kannst dich kaum konzentrieren, bist extrem hellwach – aber nicht auf eine gute Art. Und dieser Zustand zieht sich durch den ganzen Tag. Früher hieß es oft: „Der Junge ist sehr aufgeweckt.“ Später wurde daraus Nervosität, innere Unruhe oder eine diffuse Überforderung. Irgendwann bekam das Ganze einen Namen. Heute läuft vieles unter dem Begriff ADHS. Ich möchte das für mich ein wenig anders beschreiben.
Für mich ist ADHS keine Charakterfrage und kein persönliches Versagen. Ich erlebe es eher als eine Funktionsstörung des Nervensystems. Ein Nervensystem, das zu viel aufnimmt. Zu viele Impulse, zu viel Input von außen, zu viele Reize, die nicht sortiert werden können. Alles kommt gleichzeitig rein – und nichts passt so richtig in eine Schublade. Was ich dabei spannend finde: In meinem Umfeld höre ich oft das Gegenteil. Müdigkeit. Erschöpfung. Keine Energie mehr.

Und ich sitze dann manchmal da und komme mir fast vor wie ein Außenseiter. Oder wie ein Außerirdischer. Denn mein Problem ist nicht zu wenig Energie. Mein Problem ist zu viel. Mein Körper produziert Energie im Überfluss. Ich kann mit ihr nicht gut umgehen, nicht haushalten. Sie staut sich, sucht sich Wege nach draußen. Ich muss sie loswerden, sonst wird sie zu innerer Unruhe, Reizüberflutung oder totalem Chaos im Kopf.
Mit diesem Blog möchte ich mit euch teilen, was mir in Sachen Ernährung geholfen hat – und immer noch hilft. Nicht als Heilmittel. Nicht als Lösung für alles. Sondern als unterstützender Rahmen für ein Nervensystem, das ohnehin schon auf Hochspannung läuft.
Ich schreibe diesen Text nicht als Arzt und nicht mit medizinischen Versprechen. Ich teile Erfahrungen, Beobachtungen und Dinge, die ich über mehr als 50 Jahre gelernt habe. Vielleicht findest du dich in dem einen oder anderen Gedanken wieder. Vielleicht nimmst du nur einen kleinen Impuls mit. Und manchmal ist genau das schon genug.
Regelmäßige und warme Mahlzeiten
Ein ganz zentraler Punkt sind regelmäßige, warme Mahlzeiten. Es gibt ja gerade diesen Trend des intermittierenden Fastens. Für manche Menschen kann das funktionieren. Für ein Nervensystem, das ohnehin ständig unter Spannung steht, ist es meiner Erfahrung nach eher das Gegenteil. Für mich ist intermittierendes Fasten in diesem Zusammenhang fast so etwas wie der Tod des Nervensystems.
Menschen wie mich, die innerlich auf Hochtouren laufen, die nervlich am Limit hängen, brauchen Verlässlichkeit. Regelmäßiges Essen. Wärme. Struktur. Gerade morgens stellt das Essen oft die Weichen für den ganzen Tag.
Ein ruhiger Start in den Tag – Porridge als Frühstück
Eine Mahlzeit, die sich dafür besonders gut eignet, ist für mich Porridge. Ich weiß, Porridge ist nicht jedermanns Sache. Aber man kann es unglaublich vielseitig und richtig lecker gestalten. Vor allem wirkt Porridge auf mehreren Ebenen beruhigend. Das liegt unter anderem daran, dass warme, leicht verdauliche Mahlzeiten den Körper nicht zusätzlich fordern. Sie geben Halt, ohne zu belasten, und helfen dem Nervensystem, zur Ruhe zu kommen.
Gleichzeitig versorgt Porridge den Körper mit wichtigen Mineralstoffen – allen voran Magnesium. Warum dieser Stoff für das Nervensystem so entscheidend ist, darauf gehe ich später noch genauer ein.

Wenn du dir ein Porridge zubereitest, lohnt es sich, bewusst Zutaten einzubauen, die dem Nervensystem guttun – zum Beispiel Beeren oder anderes Obst, Banane, Nüsse oder auch ein gutes Nussmus. Diese Kombination macht nicht nur satt, sondern erdet, stabilisiert den Blutzucker und gibt dem Körper genau das, was er braucht, um ruhiger in den Tag zu starten. Gerade Nüsse und Nussmus können sehr erdend wirken.
Viele machen ihr Porridge mit Haferflocken. Hafer ist ein sehr energiebringendes Getreide und für viele Menschen gut verträglich. Wenn du jedoch merkst, dass Hafer dich eher aufdreht, lohnt es sich, andere Flocken auszuprobieren – zum Beispiel Hirse- oder Buchweizenflocken. Diese wirken oft noch etwas beruhigender auf das Nervensystem.
Mein eigenes Frühstück sieht so aus: Ein Porridge aus Hafer- oder Hirseflocken mit einer zerdrückten Banane, etwas Sojamilch, Nussmus, Beeren und Nüssen. Manchmal kommt noch ein wenig Granola als Topping dazu. Anschließend esse ich zwei gekochte Eier. Diese Kombination gibt mir Halt, sättigt gut und bildet für mich die Basis für einen ruhigen, stabilen Start in den Tag.
Mittagessen – Erdung statt Nervenkitzel
Zum Mittagessen würde ich eine proteinreiche Mahlzeit empfehlen. Um diese Tageszeit nimmt der Körper Nährstoffe besonders gut auf, die Verdauung arbeitet stabil und das Nervensystem kann das Essen gut verarbeiten. Das ist eine gute Gelegenheit, dem Körper genau das zu geben, was ihn trägt – nicht das, was ihn weiter aufdreht.

Was auf dem Teller landet, darf sich dabei ruhig an Jahreszeit, Temperatur und deinem aktuellen Zustand orientieren. Gerade Rohkost und große Salate sehe ich bei nervösen Systemen eher kritisch. Sie können zwar leicht wirken, sind für die Verdauung aber oft anstrengend und können innerlich eher Unruhe erzeugen als Ruhe. Außerdem wirken die kalt auf deinen Körper. Wenn überhaupt, passen sie besser im Sommer oder an Tagen, an denen du dich insgesamt gut geerdet und stabil fühlst.
An Tagen hingegen, an denen dein Nervensystem ohnehin unter Spannung steht, würde ich klar zu erdenden, warmen Gerichten greifen. Diese geben Halt, entlasten die Verdauung und helfen dem Körper, wieder in einen ruhigeren Zustand zu kommen. Pasta mit einer einfachen, nährenden Sauce,

ein Linsendal oder ein anderes Dal aus Hülsenfrüchten sowie warme, gut gekochte Suppen oder Eintöpfe sind für das Nervensystem oft eine große Hilfe. Solche Gerichte liefern nicht nur Energie, sondern wirken ausgleichend, sättigend und geben dem Körper Halt. Gerade wenn innerlich viel Bewegung ist, können einfache, warme Mahlzeiten dabei helfen, wieder ein Gefühl von Stabilität und Erdung zu bekommen.
Protein als beruhigender Faktor
Als Proteinquelle bevorzuge ich persönlich pflanzliches Eiweiß. Hülsenfrüchte, Linsen oder Kichererbsen sättigen gut und helfen dabei, den Blutzucker stabil zu halten – ein wichtiger Punkt für ein ruhigeres Nervensystem.
Aber auch tierisches Protein kann, in guter Qualität und in kleinen Mengen, eine beruhigende Wirkung haben. Besonders Eier spielen hier für mich eine große Rolle. Sie liefern hochwertige Aminosäuren, gesunde Fette und wichtige Mikronährstoffe wie Cholin, die für die Funktion des Nervensystems und die Signalübertragung im Gehirn wichtig sind. Ich spüre dadurch mehr Stabilität und weniger innere Unruhe.
Wenn du kein Veganer oder Vegetarier bist, ist es völlig in Ordnung, dir hin und wieder ein Stück Fleisch oder Eier zu gönnen. Entscheidend ist dabei weniger die Menge als die Qualität. Hochwertige, möglichst unverarbeitete Produkte sind hier klar im Vorteil und werden vom Körper meist deutlich besser vertragen.
Kohlenhydrate – ja, aber die richtigen
Auch Kohlenhydrate spielen eine wichtige Rolle für das Nervensystem. Sie helfen dabei, Stresshormone abzufedern und wirken oft beruhigend. Entscheidend ist dabei allerdings die Qualität. Besonders gut geeignet sind erdende, natürliche Kohlenhydrate, die den Blutzucker langsam ansteigen lassen und dem Körper Stabilität geben. Dazu zählen vor allem Kartoffeln, Süßkartoffeln, Kürbis, Pastinaken, Karotten, Rote Bete, Knollensellerie oder Steckrüben.

Eine Ärztin, die ich sehr bewundere, hat einmal zu mir gesagt: „Jede Kartoffel tut ihm gut.“
Dieser Satz ist mir hängen geblieben – weil er so viel Ruhe und Wahrheit in sich trägt. Gerade Wurzelgemüse wirkt auf vielen Ebenen ausgleichend. Es wächst im Boden, speichert Energie und gibt diese langsam wieder ab – etwas, das ein nervöses System gut gebrauchen kann. Auch vollwertige Getreideprodukte wie Reis, Hafer, Hirse oder Buchweizen sowie Hülsenfrüchte wie Linsen, Kichererbsen oder Bohnen passen gut in dieses Bild.
Weniger ideal sind stark verarbeitete Kohlenhydrate, die den Blutzucker schnell in die Höhe treiben und ebenso schnell wieder abstürzen lassen. Gerade bei sensiblen oder überreizten Nervensystemen kann das innere Unruhe, Reizbarkeit und plötzliche Energieeinbrüche verstärken.
Beim Mittagessen – und eigentlich bei jeder Hauptmahlzeit – geht es deshalb nicht um Perfektion oder strenge Ernährungsregeln, sondern um Stabilität. Eine warme, nährende Mahlzeit, die satt macht, erdet und dem Körper Sicherheit gibt.
Fette – der oft vergessene Faktor
Wenn man an Fette denkt, denken viele sofort an Eisbein, Bratwurst oder Butterberge. Fett hat über Jahre hinweg einen schlechten Ruf bekommen. Doch Fette können auch richtig gesund sein – und sie gehören unbedingt mit auf den Teller. Gerade bei nervösen oder überreizten Systemen spielen sie eine wichtige Rolle. Warum? Weil unser Gehirn zu einem großen Teil aus Fett besteht. Jede Nervenzelle ist von einer fetthaltigen Hülle umgeben, die dafür sorgt, dass Reize sauber weitergeleitet werden.
Fehlen dem Körper hochwertige Fette, läuft diese Reizweiterleitung weniger stabil – und genau das kann bei einem ohnehin sensiblen Nervensystem zusätzliche Unruhe fördern. Hochwertige Fette wirken nicht anregend, sondern eher stabilisierend und beruhigend. Unser Gehirn besteht zu einem großen Teil aus Fett. Es braucht diese Bausteine, um gut arbeiten zu können.

Ich denke hier vor allem an hochwertige Öle. Leinöl zum Beispiel ist reich an Omega-3-Fettsäuren und kann dem Nervensystem helfen, zur Ruhe zu kommen. Es ist geschmacklich nicht jedermanns Sache, aber wer sich daran gewöhnt, profitiert sehr davon. Auch Hanföl ist eine gute Option. Meine persönliche Basis ist allerdings fast immer ein gutes Olivenöl. Für Dressings, zum Verfeinern von Gerichten oder einfach zum Drübergeben.
Auch hier lohnt es sich – wie bei den Kohlenhydraten – genauer hinzusehen. Qualität macht einen Unterschied. Ein hochwertiges, kaltgepresstes Olivenöl ist etwas völlig anderes als ein stark verarbeitetes Industrieprodukt.
Ein chinesischer Arzt hat einmal sinngemäß gesagt: Bevor du zum Arzt gehst, schau dir erst einmal dein Öl an. Da steckt viel Wahrheit drin.
Ein neues Lieblingsfett von mir – das ich momentan fast inflationär verwende – ist Nussmus. Auf Brot, im Porridge, als Dip oder einfach pur. Besonders Cashewmus hat es mir gerade angetan. Ich merke, wie gut es mir bekommt. Und ja – ich liebe es einfach. Über stark verarbeitete Fette möchte ich hier gar nicht lange sprechen. Das meiste davon wissen wir inzwischen. Mir geht es eher darum, euch zu erinnern: Vergesst die guten Fette nicht. Sie sind kein Feind. Sie sind ein wichtiger Teil eines ruhigen, gut versorgten Nervensystems.
Abendessen – ein Ritual zum Runterkommen
Das Abendessen ist für mich ein sehr wichtiges Ritual. Vielleicht sogar eines der wichtigsten. Nicht nur wegen des Essens, sondern weil wir hier als Familie zusammenkommen und der Tag langsam ausklingen darf. Ich versuche, den Körper bewusst darauf vorzubereiten, dass jetzt ein anderer Abschnitt beginnt. Wir machen das ganz einfach: Ich lege eine Schallplatte auf, dimme das Licht und schaffe so eine ruhigere Atmosphäre. Allein das signalisiert dem Nervensystem, dass es nicht mehr im Dauerlauf bleiben muss.
Beim Essen selbst darf es abends gerne einfach und warm sein. Manchmal machen wir eine klassische Brotzeit – am liebsten mit Sauerteigbrot. Dazu findest du hier auf dem Blog auch einige passende Rezepte. Oft gibt es bei uns aber auch eine Suppe. Gerade in der kalten Jahreszeit sind Suppen für mich ideal, um den Körper zu beruhigen und den Tag sanft ausklingen zu lassen.

Und nein, Suppe heißt nicht automatisch „leicht und nicht sättigend“. Es gibt sehr nahrhafte Varianten – zum Beispiel eine cremige Kürbissuppe, eine gute Kartoffelsuppe oder auch unsere liebste Bohnensuppe von Jamie Oliver. Beim Abendessen geht es für mich weniger um Nährwerttabellen, sondern um Wärme, Rhythmus und Verbindung. Mit dem Essen. Mit den Menschen am Tisch. Und letztlich auch mit sich selbst.
Fermentiertes – Ruhe aus dem Bauch heraus
Vor dem eigentlichen Essen gibt es bei uns meist eine kleine Schale Kimchi. Fermentierte Lebensmittel in kleinen Mengen können sehr wohltuend sein. Sie unterstützen den Darm – und wenn es dem Darm gut geht, profitiert oft der ganze Körper davon. Gerade beim Nervensystem ist das nicht zu unterschätzen. Ein zufriedener Darm kann helfen, wieder mehr ins Gleichgewicht zu kommen.

Heute weiß man, dass Darm und Gehirn eng miteinander verbunden sind. Man spricht von der Darm-Hirn-Achse. Unser Bauch kommuniziert ständig mit unserem Nervensystem – über Nervenbahnen, Botenstoffe und das Immunsystem. Ein großer Teil unseres Serotonins, also eines wichtigen „Wohlfühl“-Botenstoffs, wird nicht im Gehirn, sondern im Darm gebildet.
Ist der Darm aus dem Gleichgewicht, kann das Unruhe, Reizbarkeit oder innere Anspannung verstärken. Wird er gut versorgt, kann das Nervensystem spürbar profitieren. Fermentierte Lebensmittel bringen genau hier etwas Wertvolles mit: Sie liefern lebendige Mikroorganismen, unterstützen die Darmflora und helfen, das innere Milieu zu stabilisieren. Wichtig ist dabei die Menge. Es geht nicht darum, große Portionen zu essen, sondern regelmäßig kleine Mengen in den Alltag einzubauen.
Für mich persönlich ist Fermentation inzwischen mehr als nur ein Ernährungsthema. Ich glaube mittlerweile, dass meine Hinwendung zur Fermentation ein Schlüssel auf diesem Weg ist. Nicht umsonst ruft einen das Leben manchmal ganz leise in eine bestimmte Richtung.

Fermentierte Getränke, Kimchi, goldenes Kraut und vieles mehr haben sich nach und nach in mein Leben eingeschlichen. Und mit der Zeit habe ich immer stärker gespürt, welche Bedeutung sie für mein Wohlbefinden, meine Darmgesundheit – und letztlich auch für mein Nervensystem – haben. Vielleicht ist Fermentation nicht für jeden sofort greifbar. Aber manchmal lohnt es sich, dem nachzugehen, was einen neugierig macht. Gerade dann, wenn es nicht laut wirbt, sondern still wirkt.
Zwischenmahlzeiten – und ja, auch Kuchen
Zwischenmahlzeiten sind bei nervösen Systemen kein Luxus, sondern oft notwendig. Zu lange Essenspausen und Unterzuckerung können innere Unruhe, Reizbarkeit und Konzentrationsprobleme massiv verstärken. Deshalb mein klarer Tipp: Lieber kleinere Mahlzeiten, dafür regelmäßig über den Tag verteilt. Und jetzt etwas, das viele überrascht: Gönnt euch hin und wieder ein Stück Kuchen.
Kuchen kann eine sehr beruhigende und zufriedene Mahlzeit sein. Ja, Zucker gilt oft als aufdrehend – und das kann er auch sein. Aber meine Erfahrung ist: Es kommt stark darauf an, wie euer Blutzuckerspiegel insgesamt eingestellt ist. Und auch auf den Kuchen selbst 🙂

Wenn ihr ohnehin schon unterzuckert seid oder zu lange nichts gegessen habt, kann ein richtig gutes Stück Kuchen genau das Gegenteil bewirken. Es kann erden, beruhigen und euch wieder auf den Boden bringen. Wichtig ist nicht, Zucker zu verteufeln, sondern Unterzuckerung zu vermeiden. Denn die kann das Nervensystem genauso stressen wie zu viel Reiz von außen. Deshalb gilt auch hier: Lieber bewusst genießen, statt sich etwas zu verbieten und später im Chaos zu landen. Und ja – zu einem Stück Kuchen gehört für viele auch ein guter Kaffee.
Kaffee – Freund und Feind zugleich
Kaffee soll für mich in erster Linie eines bleiben: ein Genussmittel. Ich brauche morgens einen Kaffee, er bruhigt mich sogar – das gehört für mich einfach dazu. Aber genau hier entscheidet sich schon sehr viel. Nicht jeder Kaffee ist gleich. Es macht einen deutlichen Unterschied, ob man einen guten Arabica-Kaffee trinkt, vielleicht handverlesen, fermentiert und schonend geröstet – oder ob man zu einem billigen Kaffee aus dem Regal greift, der zu Tode geröstet wurde.

Ich möchte hier keine Werbung für Röstereien machen, aber wir haben bei uns in Hildesheim zwei sehr gute. Und man schmeckt – und spürt – den Unterschied. Ein frisch gemahlener Kaffee, im Filter oder in der French Press zubereitet, wirkt ganz anders als ein schnell durchgezogener Industriekaffee. Was ich immer wieder beobachte: Manche setzen sich hin und trinken eine ganze Kanne Kaffee, ohne es richtig zu merken. Für Menschen mit einem nervlich überreizten System ist das meist zu viel. Meiner Erfahrung nach reicht eine Tasse am Tag völlig aus.
Mindestens genauso wichtig wie die Menge ist der Zeitpunkt. Unser Cortisolspiegel ist morgens ohnehin am höchsten. Trinkt man dann auf nüchternen Magen Kaffee, kann das das System regelrecht kippen lassen. So ist es zumindest bei mir: Der Cortisolspiegel schießt nach oben, der Blutzucker sackt ab – und ich komme ins Flattern, wie ich das immer nenne. Deutlich besser ist es, vorher etwas zu essen und bis zum ersten Kaffee eine kleine Pause einzulegen. Vielleicht erst frühstücken, dann eine Stunde warten und den Kaffee bewusst genießen. Oder – wie ich es mag – gegen 10 Uhr zu einem Stück Kuchen. 🙂
Am Nachmittag würde ich Kaffee eher meiden. Spätestens nach 14 Uhr trinke ich keinen mehr. Koffein braucht lange, um abgebaut zu werden – bis zu zehn Stunden. Wer abends schlecht zur Ruhe kommt oder schlecht schläft, sollte hier ehrlich hinschauen. Wie viel Kaffee für dich passt, ist am Ende individuell. An Tagen, an denen du gut geerdet bist, oder am Wochenende, verträgt dein System vielleicht auch mal mehr. An stressigen Wochentagen reicht oft ein guter Kaffee völlig aus. Auch hier gilt: weniger Druck, mehr Wahrnehmung. Dein Nervensystem gibt dir meist ziemlich klare Rückmeldungen.
Magnesium – ein stiller Helfer fürs Nervensystem
Der Markt für Nahrungsergänzungsmittel ist riesig. Und ja – ich war selbst auch eine Zeit lang ziemlich inflationär unterwegs und habe bei fast jedem Thema zu irgendwelchen Kapseln gegriffen. Heute sehe ich das deutlich entspannter. Mein Ansatz ist mittlerweile ganz klar: so viel wie möglich über die Ernährung regeln.

Es gibt allerdings ein NEM, bei dem ich eine Ausnahme mache. Eines, das sich aus meiner Sicht wirklich lohnt – gerade dann, wenn das Nervensystem ständig unter Spannung steht: Magnesium. Magnesium spielt eine zentrale Rolle für Muskeln, Nerven und die Reizweiterleitung im Körper. Es hilft dabei, Spannung abzubauen und das System insgesamt etwas herunterzufahren. Gerade bei nervösen Menschen ist ein Magnesiummangel keine Seltenheit.
Natürlich lässt sich Magnesium auch über die Ernährung aufnehmen, zum Beispiel über Nüsse, Samen, Hülsenfrüchte und Vollkorngetreide. Diese Lebensmittel liefern wertvolle Mengen dieses wichtigen Mineralstoffs und können das Nervensystem auf natürliche Weise unterstützen
Aber ehrlich gesagt: Es ist gar nicht so einfach, dauerhaft genug davon aufzunehmen, vor allem in stressigen Phasen. Stress verbraucht Magnesium. Und viele Menschen leben dauerhaft unter Stress. Deshalb halte ich es für sinnvoll, Magnesium gezielt zu supplementieren. Dabei spielt es eine Rolle, welche Form man wählt. Ich persönlich nehme gerne einen Magnesiumkomplex, also eine Kombination aus verschiedenen Magnesiumverbindungen. So wirkt es in unterschiedlichen Bereichen des Körpers und wird meist besser vertragen.
Ich nehme Magnesium eher höher dosiert, vor allem abends – und ich merke den Unterschied. Mein Körper kommt leichter runter, die innere Spannung lässt nach, und auch das Nervensystem wirkt insgesamt ausgeglichener. Wie immer gilt: Jeder Körper reagiert anders. Aber wenn es ein Supplement gibt, das ich bei nervöser Unruhe wirklich als sinnvoll empfinde, dann ist es Magnesium. Nicht als Wundermittel. Sondern als Unterstützung für ein System, das ohnehin schon viel leisten muss.
Zum Schluss – ein paar zusätzliche Gedanken
Ich möchte hier nicht den Rahmen sprengen und mich in diesem Beitrag bewusst auf das Thema Ernährung konzentrieren. Trotzdem möchte ich euch zum Abschluss noch ein paar zusätzliche Gedanken mit auf den Weg geben. Kleine Dinge, die im Alltag oft mehr bewirken, als man denkt.

Ein wichtiger Punkt ist Bewegung. Sport ist kein Muss und kein Leistungsprojekt – aber für ein nervöses oder überreiztes Nervensystem oft ein echter Schlüssel. Gerade Ausdauersport kann helfen, überschüssige Energie loszuwerden. Laufen, Fahrradfahren, zügiges Spazierengehen – alles, was dich in einen gleichmäßigen Rhythmus bringt, wirkt oft regulierend. Der Körper kann Spannung abbauen, der Kopf wird klarer. Mein System kommt nach einem lockeren Lauf immer am besten zur Ruhe und das über viele Stunden.
Genauso wertvoll sind sanfte, fließende Bewegungen. Yoga, Dehnen oder ruhige Mobilisationsübungen helfen dabei, wieder mehr ins Spüren zu kommen und das Nervensystem herunterzufahren. Wichtig ist nicht die Intensität, sondern die Regelmäßigkeit. Bewegung darf sich gut anfühlen. Sie soll Energie in Bewegung bringen – nicht noch mehr Druck erzeugen.
Was das Nervensystem auf jeden Fall beruhigt, ist Struktur. Ein möglichst gleichbleibender Tagesrhythmus kann enorm helfen. Steht, wenn es geht, zur selben Zeit auf.

Gebt eurem Tag einen Rahmen – auch dann, wenn das Umfeld chaotisch wirkt oder die Welt draußen laut ist. Geht in die Natur, besonders der Wald hat eine fast heilende Wirkung auf unser Nervensystem. Oder wenn ihr die Möglkichkeit habt, geht in euren Garten. Umgebt euch mit Menschen, die euch guttun. Und versucht, das auszustrahlen, was ihr euch selbst mehr in der Welt wünscht: Ruhe, Offenheit, Positivität.
Auch der Raum, in dem wir uns bewegen, spielt eine Rolle. Ein aufgeräumter Raum kann den Kopf entlasten. Umgebt euch mit schönen Dingen, mit Dingen, die den Geist beflügeln und nicht zusätzlich reizen. Musik kann dabei ein wunderbarer Begleiter sein. Beruhigende Klänge, zum Beispiel Klaviermusik, helfen vielen Menschen, innerlich runterzufahren. (Kleine Empfehlung am Rande: Klaviermusik von Sven Tasch 😉)
Und dann kommt noch ein Tipp, auf den ich oft mit Gegenwehr stoße – der mir persönlich aber am meisten geholfen hat: Beschäftigt euch nicht permanent mit dem Weltgeschehen. Ich habe vor einigen Jahren begonnen, mich mit dem Stoizismus als Lebensphilosophie auseinanderzusetzen. Das war für mich ein echter Schlüssel. Zu akzeptieren, dass es Dinge gibt, die außerhalb unserer Kontrolle liegen, und den Fokus wieder auf das zu richten, was wir beeinflussen können – das hat mein Nervensystem nachhaltig entlastet.
Für heute wünsche ich euch vor allem eines: ein Nervensystem, das wieder ein bisschen mehr Luft zum Atmen bekommt.
Euer Sven
