Warum sollte man immer den neuesten Ernährungstrends hinterherrennen, wenn es doch eine jahrtausendealte Lehre gibt, die bis heute nichts an Bedeutung verloren hat? Ich spreche vom Ayurveda – einer Wissenschaft, die sich nicht nur mit Ernährung beschäftigt, sondern mit dem ganzen Menschen.

Ich möchte euch in diesem Artikel einmal einen kleinen Part der Lehre des Ayurveda näherbringen und euch die drei Körpertypen vorstellen. Vielleicht erkennt ihr euch ja selbst in einem von ihnen wieder. Ich für meinen Teil weiß schon lange, was ich bin – und das zu großen Teilen. Bevor wir beginnen, ein kleiner Überblick: Ayurveda heißt übersetzt „die Lehre vom Leben“. Es beschreibt, wie man sein Leben so gestaltet, dass Körper, Geist und Seele im Einklang bleiben.
Ernährung spielt dabei eine zentrale Rolle. In der ayurvedischen Lehre werden Menschen in drei Grundtypen – sogenannte Doshas – eingeteilt: Kapha, Pitta und Vata. Sie stehen sinnbildlich für Erde, Feuer und Luft. Jeder Mensch trägt mehr oder weniger, alle drei Anteile in sich – die Kunst besteht darin, das Gleichgewicht zu bewahren.
Der Kapha-Typ – Erde und Wasser
Der Kapha-Typ steht für Stabilität, Ruhe und Beständigkeit. Menschen mit einer Kapha-Prägung sind meist geduldig, mitfühlend, ausdauernd und körperlich eher kräftig gebaut. Sie haben oft eine sanfte Ausstrahlung, klare Haut und glänzendes Haar – und sind die Felsen in der Brandung, wenn es um Ruhe und Zuverlässigkeit geht.

Wenn Kapha im Gleichgewicht ist, strahlt der Mensch Gelassenheit, Fürsorge und innere Stärke aus. Wenn Kapha überwiegt oder stagniert, kann es zu Trägheit, Lustlosigkeit, Gewichtszunahme, Antriebsschwäche oder Verschleimungen kommen – also zu einer Art innerer „Schwere“. Dann hilft alles, was Leichtigkeit, Bewegung und innere Wärme zurückbringt – sei es durch aktivierende Gewürze, bewusste Bewegung oder inspirierende Begegnungen.
Was dem Kapha-Typ guttut:
- Leichte, warme und würzige Speisen
- Viel Bewegung und Abwechslung
- Reduzierte Mengen an Milchprodukten, Süßem und Fettigem
- Gewürze wie Ingwer, Pfeffer, Kurkuma, Zimt
Der Pitta-Typ – Feuer und Wasser
Pitta steht für Energie, Zielstrebigkeit und Klarheit. Menschen mit einer Pitta-Prägung sind oft sehr fokussiert, intelligent, durchsetzungsstark und voller Leidenschaft – manchmal fast zu sehr. Ihr inneres Feuer macht sie zu Anpackern, Führungspersönlichkeiten und kreativen Machern.

Wenn Pitta im Gleichgewicht ist, ist der Mensch entschlossen, fair, mutig und hat eine gesunde Verdauungskraft (Agni). Wenn Pitta überhitzt, kann das zu Reizbarkeit, Entzündungen, Hautproblemen (wie Akne oder Neurodermitis), Durchfall oder Unverträglichkeiten führen. Auch zu viel Ehrgeiz oder Perfektionismus sind typische Pitta-Zeichen. Dann ist es besonders wichtig, für Ausgleich zu sorgen – durch kühlende Speisen, bewusste Pausen und Aktivitäten, die das innere Feuer sanft regulieren.
Was dem Pitta-Typ guttut:
- Kühlende, milde Speisen mit süßem, bitterem und herbem Geschmack
- Viel Gemüse, Reis, Kokosmilch, Koriander, Fenchel, Gurke
- Ruhe, Ausgleich und regelmäßige Pausen
Der Vata-Typ – Luft und Äther
Und nun zu meinem Typ – dem Vata. Vata steht für Bewegung, Kreativität, Leichtigkeit und Veränderung. Vata-Menschen sind oft voller Ideen, sehr sensibel, begeisterungsfähig und kreativ. Körperlich meist eher schlank, mit unregelmäßigem Energielevel und manchmal etwas sprunghaft in ihren Routinen. Wenn Vata im Gleichgewicht ist, ist der Mensch inspiriert, flexibel, lebendig und einfühlsam.

Wenn Vata aus der Balance gerät, zeigen sich Nervosität, Unruhe, kalte Hände und Füße, Verdauungsprobleme, Schlafstörungen oder Hauttrockenheit. Um wieder Boden unter den Füßen zu spüren, braucht Vata vor allem Wärme, Struktur und regelmäßige Ruhezeiten – kleine Rituale, die den Geist erden und das Nervensystem beruhigen. Unterstützende Ernährung, wärmende Getränke und sanfte Bewegungen wie Yoga oder Spaziergänge helfen zusätzlich, Vata zu stabilisieren und innere Ruhe zu finden.
Was dem Vata-Typ guttut:
- Warme, gekochte, leicht ölige Speisen
- Regelmäßige Mahlzeiten und Ruhephasen
- Gewürze wie Kreuzkümmel, Zimt, Ingwer, Kardamom
- Wurzelgemüse, Suppen, Eintöpfe, warme Porridges
Ein Gericht für Vata-Balance
Da wir in unserer westlichen Welt häufig Vata-betont leben, habe ich euch ein typisches, Vata-reduzierendes Gericht gemacht, das euch wieder etwas erdet: Gebackener Hokkaido mit Cashew-Zitronen-Creme und Quinoa-Crunch. Ein leichtes, aber nährendes Abendessen, das euch – im wahrsten Sinne – wieder ein bisschen auf den Teppich holt.
Ayurveda ist ein sehr großes Thema und in diesem Blog nur angerissen. Wenn euch dieses Thema gefällt und ihr mehr über die ayurvedische Lehre, passende Rezepte oder Lebensgewohnheiten erfahren wollt, schreibt es mir gern in die Kommentare. Ich nehme euch gern mit auf diese Reise – Schritt für Schritt, im Einklang mit euch selbst und der Natur.

Sven`s gebackener Hokkaido mit Cashew-Zitronen-Creme und Quinoa-Crunch
Zutaten
Für den gebackenen Hokkaido:
- 1 kleiner Hokkaido-Kürbis
- 2 EL Olivenöl oder Ghee
- 1 TL Ahornsirup
- 1 TL Curry
- ½ TL Salz
- etwas Pfeffer
Für die Cashew-Zitronen-Creme:
- 100 Gramm Cashewkerne mind. 30 Min in heißem Wasser einweichen
- Saft und Abrieb von ½ Bio-Zitrone
- 1 Knoblauchzehe
- 3 EL Wasser nach gewünschter Konsistenz
- 1 EL Olivenöl
- Salz nach Geschmack
Für den Quinoa-Crunch:
- 100 Gramm gekochter Quinoa am besten abgekühlt
- 1 TL Tamari oder Sojasoße
- 1 TL Sesam
- 1 TL Ahornsirup oder Dattelsirup
- 1 TL Öl zum Anrösten
Optional zum Servieren:
- Frische Kräuter Petersilie oder Koriander, schwarzer Sesam, etwas Zitronenzeste
Anleitungen
- Ofen vorheizen und Kürbis vorbereiten: Den Ofen auf 200 °C Ober-/Unterhitze vorheizen. Den Hokkaido halbieren, entkernen und in Spalten schneiden.
- Kürbis marinieren: In einer Schüssel Olivenöl, Ahornsirup, Curry, Salz und Pfeffer verrühren. Kürbisspalten hineingeben, gut vermengen und auf ein Backblech legen.
- Kürbis Backen: Den Kürbis ca. 25–30 Minuten im Ofen rösten, bis er außen leicht gebräunt und innen weich ist.
- Cashew-Zitronen-Creme zubereiten: Die eingeweichten Cashews abgießen, mit Zitrone, Knoblauch, Wasser, Olivenöl und Salz in einem Mixer fein pürieren, bis eine glatte Creme entsteht. Bei Bedarf etwas Wasser zugeben.
- Quinoa-Crunch erstellen: In einer Pfanne Öl erhitzen, Quinoa, Tamari, Sesam und Ahornsirup hineingeben und unter Rühren knusprig rösten. Auf Küchenpapier abkühlen lassen.
- Anrichten: Die Cashew-Zitronen-Creme auf einen Teller streichen, die Kürbisspalten drauf legen und mit Quinoa-Crunch bestreuen. Nach Belieben mit frischen Kräutern und Zitronenabrieb garnieren.