Svens fermentierte Salzgurken – Von der Genussgärtnerei ins Fermentierglas

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Schon gewußt?
Die klassischen osteuropäischen „Salzgurken“ (oft nur mit Wasser, Salz und Gewürzen angesetzt) unterscheiden sich von vielen industriellen Gewürzgurken. Letztere werden häufig einfach in Essig eingelegt und nicht fermentiert. Der säuerliche Geschmack entsteht dann durch zugesetzten Essig statt durch die Arbeit von Mikroorganismen.

Während bei mir mittlerweile fast jedes Gemüse im Garten wächst, sind es ausgerechnet die Gurken, die regelmäßig ihren Dienst verweigern. Entweder sie wachsen während meines Urlaubs zu unfassbaren Ausmaßen heran, oder sie beschließen kurz nach meiner Rückkehr, sich mit Mehltau zu verabschieden. Manchmal fehlt ihnen Wasser, manchmal fehlt mir das richtige Händchen – und manchmal wollen Gurken einfach nicht.

Deshalb habe ich irgendwann aufgehört, mich darüber zu ärgern, und hole mir meine Gurken dort, wo sie zuverlässig wachsen: in der Genussgärtnerei in Hildesheim. Dabei ist mir neulich aufgefallen, dass die Genussgärtnerei trotz vieler Besuche, Empfehlungen und Gespräche bisher noch keinen Platz auf meinem Blog bekommen hat. Das muss sich natürlich ändern. Und weil ich gerade wieder fermentierte Salzgurken angesetzt habe, ist das die perfekte Gelegenheit, dieses Rezept mit einem Ort zu verbinden, der mir sehr am Herzen liegt.

Was ist die Genussgärtnerei?

Ich liebe es, wenn Menschen etwas mit echter Leidenschaft tun. Wenn man merkt, dass hinter einem Projekt nicht nur ein Geschäftsmodell steckt, sondern Herzblut, Begeisterung und Überzeugung. Genau das spürt man bei Charlotte und Devin von der Genussgärtnerei.

Seit den ersten Jahren ihres Betriebs haben sie am Karrenweg in Hildesheim einen Ort geschaffen, an dem man weit mehr bekommt als nur Gemüse. Neben regional und nachhaltig angebautem Obst und Gemüse gibt es wunderschöne Blumensträuße, Feinkostprodukte, Jungpflanzen und viele weitere regionale Spezialitäten. Vor allem aber bekommt man dort etwas, das heutzutage selten geworden ist: persönliche Beratung, Zeit für Gespräche und Menschen, die ihre Arbeit wirklich lieben.

Mit Devin kann man sich wunderbar in Gesprächen über Gemüseanbau verlieren. Man merkt schnell, dass hier jemand nicht nur anbaut, sondern für das Thema brennt. Als ausgebildeter Koch bringt er außerdem regelmäßig seine kulinarische Leidenschaft ein. Bei besonderen Veranstaltungen verarbeitet er die eigenen Erzeugnisse direkt vor Ort und zeigt, was aus regionalen Zutaten alles entstehen kann.

Die Genussgärtnerei ist zudem immer wieder Gastgeber für Veranstaltungen wie das Tomatenfest, bei dem regionale Aussteller, Kunst, Genuss und Gemeinschaft zusammenkommen. Wer einmal dort war, merkt schnell, dass es nicht einfach ein Hofladen ist, sondern ein lebendiger Treffpunkt für Menschen, die Regionalität und gutes Essen schätzen. Eines meiner persönlichen Highlights war übrigens ein Klavierkonzert, das ich dort im Gewächshaus geben durfte. Ein ganz besonderer Abend, den ich so schnell nicht vergessen werde.

Warum regionale Erzeuger wichtiger denn je sind

Gerade in einer Zeit, in der alles jederzeit verfügbar scheint, Essen per App bestellt wird und Lebensmittel oft tausende Kilometer zurücklegen, bevor sie auf unserem Teller landen, halte ich es für wichtiger denn je, regionale Betriebe zu unterstützen. Wer bei der Genussgärtnerei einkauft, bekommt nicht nur frische Produkte. Man unterstützt Menschen aus der Region, kurze Lieferwege, nachhaltigen Anbau und einen Betrieb, der sichtbar mit Leidenschaft geführt wird. Genau solche Orte machen eine Region lebendig.

Wer keinen eigenen Garten hat, findet dort aktuell frisches Gemüse, Tomaten, Melonen, Blumensträuße, Jungpflanzen, Stauden und viele weitere regionale Produkte. Und wer ein Geschenk sucht, wird ebenfalls fündig – liebevoll zusammengestellte Präsentkörbe und Feinkost gehören genauso zum Sortiment wie die wunderschönen Blumensträuße, die erfahrungsgemäß deutlich länger halten als viele Sträuße aus dem Supermarkt. Für mich ist die Genussgärtnerei längst ein Herzensort in Hildesheim geworden.

Ein Besuch lohnt sich

Ich selbst muss heutzutage kaum noch Gemüse kaufen. Mein Garten versorgt mich die meiste Zeit des Jahres ziemlich gut. Außer bei Gurken. Die hole ich inzwischen ganz entspannt in der Genussgärtnerei. Denn wenn die Gurken bei mir nicht wachsen wollen, dann haben sie eben Pech gehabt. Vielleicht sehen wir uns ja dort einmal zwischen Tomaten, Blumen und einem guten Gespräch über Gemüseanbau.

Sven`s fermentierte Salzgurken

Knackig, würzig und ganz natürlich fermentiert: Aus ein paar einfachen Zutaten zaubere ich mir einen Vorrat an herrlich säuerlichen Salzgurken – direkt aus dem Glas und ganz ohne Essig.
Servings 2 Gläser
Zubereitungszeit 20 Minuten
14 Tage

Kochutensilien

  • 1 Bügelgläser à 1 Liter mit Gummidichtung
  • 1 Küchenwaage
  • 1 Messbecher oder Gefäß zum Auffangen des Wassers
  • 1 kleiner Löffel oder Schälchen zum Abwiegen des Salzes
  • 1 Fermentationsgewichte oder kleine Glasgewichte zum Beschweren
  • 1 sauberes Messer und Schneidebrett
  • 1 eventuell Trichter zum Einfüllen der Salzlake

Zutaten

  • 1 kg frische Einlegegurken
  • 1 Liter Wasser je nach Größe und Packdichte der Gurken
  • 20 Gramm Salz ohne Jod am besten naturbelassenes Berg-, Stein- oder Meersalz
  • 2 Weinblätter alternativ Himbeer- oder Brombeerblätter
  • 2 Knoblauchzehen
  • 2 TL Senfkörner
  • 10 Pfefferkörner
  • Dill bzw. Dillblüten nach Geschmack optional

Anleitungen

  • Gläser vorbereiten: Zuerst reinige ich die Bügelgläser, Gummiringe und alle benötigten Utensilien gründlich. So schaffe ich eine gute Grundlage für die Fermentation.
  • Blätter und Gewürze einfüllen: Als Erstes lege ich jeweils ein Weinblatt auf den Boden des Glases. Alternativ kann ich auch ein Himbeer- oder Brombeerblatt verwenden. Die Blätter enthalten natürliche Gerbstoffe, sogenannte Tannine, die dabei helfen können, das Gurkengewebe fester zu halten und die Gurken während der Fermentation schön knackig zu bewahren. Darauf gebe ich jeweils einen Teelöffel Senfkörner, ein paar Pfefferkörner und eine Knoblauchzehe. Nach Geschmack kommt noch etwas Dill oder Dillblüte dazu.
  • Gurken einschichten: Jetzt kommen die frischen Einlegegurken ins Glas. Ich schichte sie möglichst dicht und verklemme sie ruhig ein wenig miteinander, damit sie später nicht so leicht nach oben steigen. Dabei lasse ich oben noch etwa 1–2 cm Platz bis zum Glasrand.
  • Benötigte Wassermenge bestimmen: Nun fülle ich das Glas mit Wasser auf, bis die Gurken vollständig bedeckt sind. Anschließend gieße ich das Wasser wieder heraus und wiege es genau ab. So kann ich die benötigte Salzmenge ganz einfach berechnen.
    Für meine Lake verwende ich 2 % Salz bezogen auf die Wassermenge. Bei 500 ml Wasser sind das beispielsweise 10 g Salz, bei 600 ml 12 g und bei 700 ml 14 g.
    Dabei nehme ich am liebsten naturbelassenes Salz ohne Jod und andere Zusätze, zum Beispiel Berg- oder Steinsalz.
  • Salzlake herstellen: Das abgewogene Salz rühre ich gründlich in das Wasser ein, bis es sich vollständig aufgelöst hat. Anschließend gieße ich die fertige Salzlake wieder über die Gurken. Die Gurken sollten vollständig von der Lake bedeckt sein.
  • Gurken beschweren: Damit mir während der Fermentation keine Gurken an die Oberfläche treiben, lege ich ein Fermentationsgewicht darauf. Dafür eignet sich ein spezielles Glasgewicht oder auch ein kleiner, passender Glasdeckel. Wichtig ist mir, dass die Gurken möglichst die ganze Zeit unter der Salzlake bleiben.
  • Fermentieren lassen: Jetzt verschließe ich die Bügelgläser und lasse sie für etwa zwei Wochen bei Zimmertemperatur stehen. In dieser Zeit beginnt die natürliche Milchsäuregärung. Es können Bläschen entstehen und die Lake kann sich zunehmend trüben. Das ist während der Fermentation ganz normal und gehört zum natürlichen Prozess dazu.
  • Kalt stellen: Nach etwa zwei Wochen stelle ich die fermentierten Salzgurken in den Kühlschrank. Dort läuft die Fermentation deutlich langsamer weiter. Von nun an kann ich mir nach und nach eine Gurke aus dem Glas nehmen und genießen – knackig, würzig und angenehm säuerlich. So habe ich immer einen kleinen Vorrat an selbst fermentierten Salzgurken im Kühlschrank.
Gericht: Fermente
Küche: Probiotisch
Keyword: Gurken, Knoblauch, Pfeffer, Salz, Senfkörner, Wasser

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