Ich habe mich ehrlich gesagt nie so richtig als Veganer gesehen. Diese ganze „vegane Szene“ war mir oft zu dogmatisch – zu festgefahren, zu missionarisch. Und trotzdem habe ich mich immer wieder stark pflanzlich ernährt. Warum? Weil ich gespürt habe, welche unglaubliche Kraft Pflanzen auf den Körper haben. Man fühlt sich fitter, gesünder, leichter – und das Beste: man kann richtig viel essen! Ich liebe einfach gutes Essen. Und ich habe gemerkt, dass vegane Rezepte unglaublich flexibel sind – man kann fast alles pflanzlich nachkochen. Was mich jedoch immer wieder gestört hat, war dieses ständige Bekehrungsding, dieses „du darfst das nicht“, „das ist nicht vegan genug“.

Genau deshalb habe ich mich nie wirklich einer Szene zugehörig gefühlt. Aber jetzt, wo von politischer Seite plötzlich wieder gegen pflanzliche Ernährung geschossen wird – wo man uns vorschreiben will, wie etwas heißen darf, wo vegane Produkte aus Regalen verschwinden und Politiker öffentlich sagen, wir sollen wieder mehr Wurst essen –, da kommt mein Punk durch. Dann sage ich: Jetzt erst recht!
Deswegen habe ich mir vorgenommen, in den nächsten Wochen wieder mehr vegane Rezepte zu teilen – so wie dieses hier: meine vegane Carbonara. Carbonara ist ja für viele ein echtes Wohlfühlgericht – fast schon so etwas wie Bratwurst oder Schnitzel. Und um zu verstehen, warum Menschen aufschreien, wenn man ihnen „ihr Schnitzel vom Teller nehmen will“, muss man verstehen, was Essen eigentlich bedeutet.
Essen als Identität

Essen ist mehr als Nahrungsaufnahme. Es ist Erinnerung, Kultur, Gewohnheit – und oft auch Identität. Der Geschmack von Kindheit, das Lieblingsessen von Oma, das Ritual beim Grillen mit Freunden – all das verknüpft sich tief mit dem Gefühl von Sicherheit und Zugehörigkeit. Wenn man das antastet, fühlen sich viele persönlich angegriffen. Es geht dann nicht nur um Fleisch oder Gemüse – es geht um das eigene Zuhause im Inneren.
Bei mir ist das nicht anders. Wenn ich mittwochs über den Markt gehe und den Geruch der Bratwurst wahrnehme, läuft in mir sofort ein ganzer Film ab. Das ist pure Kindheitserinnerung. In Eichsfeld, meiner alten Heimat, ist Bratwurst sozusagen der heilige Gral – und wie in vielen anderen Städten wird natürlich behauptet, dass es dort die beste Bratwurst überhaupt gibt. Und vielleicht stimmt das sogar. Sie ist unglaublich fettig, saftig und duftet nach Zuhause. Trotzdem gehe ich heute meist einfach weiter – und warum das so ist, erzähle ich euch im nächsten Abschnitt.
Mein Abgleich mit den eigenen Werten
Was mir dabei hilft, ist der Abgleich mit meinen eigenen Werten. Wenn ich mir bewusst mache, dass ich keine Tiere essen möchte, da ich ein mitfühlender Mensch bin, dann zieht der Geruch auch schnell wieder vorbei. In all den Diskussionen vergessen wir oft das Wesentliche: Die industrielle Tierhaltung ist eines der größten ethischen Probleme unserer Zeit. Was dort passiert, ist schlicht widerwärtig – und wir können nicht so tun, als wäre das normal.

Deshalb rollen sich mir die Zehennägel auf, wenn Politiker laut verkünden, wir sollen wieder mehr Fleisch essen. Vielleicht ist das auch bei ihnen ein Reflex – ein Sicherheitsmechanismus, ein Stück Identität, das sie verteidigen. Wie seht ihr das? Gibt es Gerichte, die für euch unersetzbar sind? Oder habt ihr vielleicht Wege gefunden, sie vegan zu interpretieren, ohne dass das Wohlgefühl verloren geht?
Und hier nun: mein Rezept für vegane Carbonara – cremig, herzhaft und für mich ganz ehrlich besser als das Original. Probiert sie aus – jetzt erst recht!

Sven`s vegane Carbonara – jetzt erst recht!
Kochutensilien
- 1 Hochleistungsmixer oder Standmixer
- 1 Große Pfanne
- 1 Großer Topf
- 1 Schneidebrett & Messer
- 1 Kochlöffel
Zutaten
Für die Sauce:
- 100 Gramm Cashewkerne mind. 1 Stunde in warmem Wasser eingeweicht
- 200 ml pflanzliche Milch am besten Sojamilch
- 1 TL helle Miso-Paste
- 2 EL Hefeflocken
- 1 Knoblauchzehe
- Salz nach Geschmack
Außerdem:
- 250 Gramm Pasta nach Wahl z. B. Linguine oder Spaghetti usw.
- 150 Gramm Räuchertofu 1 Block
- 1 EL Olivenöl zum Anbraten
- Frisch gemahlener schwarzer Pfeffer
- Hanfsamen Optional zum Bestreuen
Anleitungen
- Cashews einweichen: Die Cashewkerne mindestens 1 Stunde in warmem Wasser einweichen. Danach abgießen und beiseitestellen.
- Pasta kochen: Einen großen Topf mit reichlich Wasser und Salz zum Kochen bringen. Die Pasta nach Packungsanweisung al dente garen. Etwas Nudelwasser auffangen – das wird später für die Sauce gebraucht.
- Tofu zubereiten: Während die Pasta kocht, den Räuchertofu in kleine Würfel schneiden. Eine große Pfanne auf mittlerer Hitze vorheizen, Olivenöl hineingeben und den Tofu goldbraun und knusprig anbraten.
- Knoblauch dazu: Die Knoblauchzehe fein hacken oder in dünne Scheiben schneiden und zum Tofu geben. Kurz mitbraten, bis der Duft aufsteigt – nicht zu lange, sonst wird er bitter.
- Sauce mixen: Im Mixer die eingeweichten Cashews, pflanzliche Milch, Hefeflocken, Miso-Paste und eine Prise Salz zu einer glatten, cremigen Sauce verarbeiten.
- Alles verbinden: Die Sauce zum Tofu in die Pfanne geben, gut umrühren und kurz einköcheln lassen. Wenn sie zu dick wird, etwas vom heißen Nudelwasser hinzufügen, bis die Konsistenz schön sämig ist.
- Fertigstellen: Die Nudeln abgießen, in die Pfanne geben und alles gut vermengen. Kräftig mit schwarzem Pfeffer abschmecken.
- Anrichten: Auf Tellern servieren, optional mit Hanfsamen bestreuen – und genießen.