Svens Anbautipps zu Chinakohl – Die Diva im Gemüsebeet

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Schon gewußt?
Chinakohl ist die klassische Basis für das koreanische Kimchi – und in Korea so wichtig, dass es dort eigene Kimchi-Kühlschränke gibt, die speziell für die Fermentation entwickelt wurden.

Mit Chinakohl habe ich bisher noch nie so richtig Glück gehabt. Während andere Gemüsesorten still und zuverlässig vor sich hin wachsen, benimmt er sich wie eine echte Diva. Ein falscher Blick, ein bisschen Stress – und zack, geht er in die Blüte. Das bringt mich regelmäßig zur Verzweiflung. Aber aufgeben? Kommt nicht in Frage.

Denn leider – oder zum Glück – liebe ich ihn. Vor allem in meinem Kimchi, das bei uns fast täglich auf dem Tisch steht. Und genau deshalb probiere ich nun schon seit Jahren, diese launische Persönlichkeit endlich erfolgreich anzubauen. Irgendwann werden wir zwei uns schon einig.

Nahaufnahme von grünen Blattpflanzen, die auf einem Feld wachsen, wobei einige Blätter Flecken und Anzeichen von Krankheiten oder Schäden aufweisen. Der Hintergrund ist unscharf und hebt die Blätter im Vordergrund hervor.

Was ich inzwischen gelernt habe: Chinakohl kennt seinen eigenen Kalender. Er hat ein ziemlich genaues Zeitfenster, in dem er ausgesät werden will – am besten in der zweiten Jahreshälfte. Wird er zu früh gesät oder bekommt Stress – durch feuchten Boden, Pilzbefall oder zu eng stehende Pflanzen – schießt er sofort in die Blüte. Die Blüten sind zwar hübsch. Aber eigentlich wünsche ich mir einen kompakten, festen Chinakohlkopf.

Also gebe ich nicht auf. Und hier möchte ich meine bisherigen Erfahrungen mit euch teilen – vielleicht hilft es ja nicht nur mir, sondern auch euch beim nächsten Versuch.

Aussaat – das richtige Zeitfenster

Chinakohl hat ein sehr eingeschränktes Aussaatfenster. Die besten Erfahrungen habe ich gemacht, wenn ich ihn in der zweiten Jahreshälfte anbaue und direkt zur Sommersonnenwende aussäe. Dann hat er genügend Zeit, schöne kompakte Köpfe zu bilden, bevor es richtig kalt wird – und er gerät nicht in Wärmestress, weil die Tage wieder kürzer und kälter werden. Dieses Jahr habe ich allerdings ein Experiment gewagt: Ich habe ihn schon im Januar ausgesät. Meine Hoffnung ist, dass ich ihn ernten kann, bevor es draußen wieder zu warm wird. So gegen Mai. Ob das funktioniert, werde ich euch hier im Tagebuch berichten.

Ich ziehe ihn in Quickpotplatten vor, in einem 24er-System, jeweils ein Korn pro Topf. Als Substrat verwende ich eine eher nährstoffarme Aussaaterde. Die Keimtemperatur von Chinakohl liegt bei etwa 15–20 °C. Dieses Jahr habe ich ihn deshalb im Haus ausgesät und nach dem Keimen in die Garage ans Fenster gestellt, damit es ihm nicht zu warm wird. Nachdem die stärksten Fröste vorbei waren, durfte er ins Gewächshaus umziehen. Wenn die Temperaturen dort noch einmal deutlich ins Minus fallen, bekommt er von mir eine schützende Haube übergestülpt.

Mit Kälte kommt Chinakohl erstaunlich gut zurecht – deutlich besser jedenfalls als mit Hitze. Zu viel Wärme bedeutet für ihn schnell Stress, und genau den versuche ich von Anfang an zu vermeiden. Deshalb setze ich lieber auf einen kühlen, langsamen Start statt auf schnelles Wachstum um jeden Preis. Ich bin sehr gespannt, ob es mir auf diese Weise gelingt, ihn auch in der ersten Jahreshälfte anzubauen, ohne dass er vorzeitig in die Blüte geht.

Wichtig: Chinakohl mag es überhaupt nicht, zu lange in den Anzuchtplatten zu stehen. Sobald die Wurzeln an den Rand oder Boden der Zelle stoßen, empfindet er das als Stress – und Stress bedeutet bei ihm oft: Blüte statt Kopf. Deshalb pflanze ich ihn recht bald ins Beet.

Euch würde ich empfehlen, Chinakohl in der zweiten Jahreshälfte, rund um die Sommersonnenwende, anzubauen – das ist besonders für Anfänger deutlich entspannter. Genau so werde ich es zusätzlich auch wieder machen. Dann ziehe ich ihn draußen an einem schattigen Platz vor, denn zu dieser Zeit ist es im Gewächshaus oft noch zu warm. Der weitere Ablauf funktioniert genauso wie in der ersten Jahreshälfte – dazu findet ihr weiter unten noch einmal alles Schritt für Schritt beschrieben.

Ab ins Beet

Chinakohl kommt bei mir in ein gut vorbereitetes, feinkrümeliges Beet. Der Boden sollte humos und nährstoffreich sein, dabei gleichmäßig feucht, aber dennoch gut durchlässig. Staunässe verträgt er überhaupt nicht, doch auch dauerhaft ausgehungerte oder sandige Böden bekommen ihm nicht.

Als Mittel- bis Starkzehrer freut er sich über eine gute Portion reifen Kompost, der ihn während der Wachstumszeit zuverlässig versorgt. Zu viel frischer Mist kann allerdings ebenfalls Stress verursachen – dann schießt er schneller. Jetzt im Frühjahr werde ich ihn mit Vlies abdecken, denn Kohlweißlinge finden ihn genauso attraktiv wie ich. In der zweiten Jahreshälfte kann man – je nach Druck – auch ohne Abdeckung arbeiten oder leicht schattieren, falls es noch sehr warm ist.

Ein weiterer Fehler, den ich lange gemacht habe, war der Pflanzabstand. Ich habe ihn schlichtweg viel zu eng gesetzt (siehe oben im Bild). Man denkt ja schnell, ach, das passt schon – aber Chinakohl sieht das anders. Stehen die Pflanzen zu dicht, geraten sie in Stress. Sie konkurrieren um Licht, Luft und Nährstoffe, und statt kompakte Köpfe zu bilden, reagieren sie empfindlich – oft mit vorzeitigem Schossen.

Dieses Jahr halte ich einen Abstand von etwa 30 bis 40 Zentimetern zwischen den Pflanzen ein, je nach Sorte auch etwas mehr. Apropos Sorte: Ich baue die Sorte Granat von Bingenheimer an und bin sehr gespannt, wie sie sich entwickeln wird. So hat jede Pflanze genug Raum, um sich ordentlich zu entfalten.

Nährstoffe und gießen im richtigen Maß

Beim Düngen habe ich inzwischen gelernt, dass Chinakohl weder hungern noch überversorgt werden möchte. Er gehört zu den Mittel- bis Starkzehrern und braucht eine gute Grundversorgung, um schöne, feste Köpfe zu bilden. Vor dem Pflanzen arbeite ich deshalb reifen Kompost ins Beet ein. Das gibt ihm einen ruhigen, gleichmäßigen Start.

Mit stark stickstoffbetonten Düngern bin ich allerdings vorsichtig. Zu viel davon fördert zwar das Blattwachstum, kann aber auch dazu führen, dass die Pflanzen weicher werden oder schneller ins Schossen geraten. Mir ist eine ausgewogene, organische Düngung lieber – lieber etwas maßvoll und kontinuierlich als ein schneller Wachstumsschub.

Wichtig ist für mich außerdem, dass der Boden gleichmäßig feucht bleibt. Denn auch starke Schwankungen zwischen Trockenheit und Nässe bedeuten für Chinakohl Stress – und wir wissen ja inzwischen, wie er auf Stress reagiert.

Ernte und Verwendung

Geerntet wird der Chinakohl, sobald sich feste, gut geschlossene Köpfe gebildet haben. Ich prüfe das ganz einfach mit leichtem Druck – fühlt sich der Kopf kompakt und stabil an, darf er raus aus dem Beet. Meist schneide ich ihn knapp über dem Boden ab. Die äußeren Blätter entferne ich direkt vor Ort, alles andere wandert frisch in die Küche.

In der Küche ist Chinakohl für mich ein echtes Multitalent. Ich liebe ihn in schnellen Wokgerichten – kurz angebraten, bleibt er knackig und bekommt eine ganz feine Süße. Und natürlich verarbeite ich ihn am allerliebsten zu unserem geliebten Kimchi, das bei uns regelmäßig auf dem Tisch steht. Wenn ihr mein Kimchi-Rezept ausprobieren möchtet, findet ihr es hier: HIER gibt es das Rezept.

Sven`s Tagebuch zum Chinakohlanbau

  • 08. Januar 2026: Heute habe ich die Aussaat in Multitopfplatten (24er QuickPods) vorgenommen. Insgesamt habe erstmal nur 4 Chinakohlpflanzen der Sorte Granat ausgesät, die später direkt ins Beet pflanze. Als Substrat habe ich nährstoffarme Aussaaterde von Floragard verwendet. Die Aussaattiefe beträgt ca. 1 cm. Die Platten stehen zunächst im Haus vor dem Fenster.Nach dem keinen, stelle ich sie in die Garage oder direkt ins Gewächshaus. Je nach Wetter. Zum Angießen nutze ich die Ballbrause, danach gieße ich nur noch von unten über die Untersetzer. Dabei achte ich darauf, nicht zu viel Wasser zu geben – besonders bei Kälte – damit keine Staunässe entsteht, die Erde aber auch nicht austrocknet.
  • 20. Januar 2026: Die ersten Keimlinge gucken aus der Erde. Der Quickpot steht jetzt erstmal in der Garage
  • 28. Januar 2026: Drei Keimlinge sind alle aufgegangen. Nun steht der Quickpot mit einer Haube im Gewächshaus.

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