Etwas, das sich mir unauslöschlich aus meiner Schulzeit ins Gehirn gebrannt hat, ist der Geruch von totgekochtem Lauch. Ein Geruch, der sich epidemieartig durch die Flure unserer Schule fraß. Und sobald er mir in die Nase drang, war klar: Heute gehe ich nicht in die Kantine. Dann bleibe ich lieber hungrig. Lauch – was war das bitte für ein widerwärtiges Gemüse? Zumindest dachte ich das lange. Bis ich ihn selbst anbaute.

Und mich gezwungenermaßen damit beschäftigen musste, wie man ihn richtig zubereitet. Seitdem ist Lauch eines meiner liebsten Zwiebelgewächse. Ja, ich baue ihn sogar lieber an als die normale Zwiebel – auch wenn diese für viele Deutsche ja der heilige Gral ist. Denn Lauch ist unglaublich vielseitig. Und das Schöne: Er steht brav im Beet, braucht wenig Platz und macht kein großes Drama
Letztes Jahr hatte ich – ich sage es ganz ohne Übertreibung – das Lauchjahr meines Lebens. Ich habe für exakt 2,40 Euro Saatgut in ein kleines Töpfchen geschüttet. Einfach mal ausprobiert. Schon im Januar, glaube ich. Und im April war dieses Töpfchen voll mit grasartigem Grün – ein richtiges Lauchbüschel. Ich habe die Pflänzchen vereinzelt und überall dort ins Beet gesetzt, wo noch eine Lücke war. Mal zusammen, mal ganz allein. Und so hatte ich am Ende des Jahres, übers Jahr verteilt, rund 140 Stangen Lauch. Ein echtes Geschenk.
Deshalb lege ich euch Lauch wirklich ans Herz. Er ist nicht nur unglaublich gesund, sondern auch sehr dankbar im Garten. Also – los geht’s. 🌿
Warum ich Lauch liebe
Lauch ist nicht nur lecker – er ist auch richtig gesund. Vor allem unser Darm freut sich über ihn. Die enthaltenen Ballaststoffe und schwefelhaltigen Pflanzenstoffe unterstützen eine gesunde Verdauung und wirken sich positiv auf unsere Darmflora aus. Dazu kommen Vitamine wie C und K sowie Mineralstoffe, die ihn zu einem echten Allrounder im Gemüsebeet machen.

Ein weiterer großer Vorteil: Lauch ist extrem frostresistent. Sorten wie die Winterlauch-Variante Blaugrüner Winter stehen bei mir selbst zwischen Schnee und Eis und trotzen jeder Kälte. Die Stangen werden dabei sogar immer süßer. Und ganz ehrlich – es ist ein irrsinniges Gefühl, im Winter in den Garten zu gehen und frischen Lauch direkt aus dem Schnee zu ernten. Gerade weil Lauch so robust ist, lohnt es sich, ihn relativ früh auszusäen.
Ich mache das am liebsten Ende Februar. Meine Empfehlung: ganz unkompliziert. Einfach flächig in eine Schale mit Anzuchterde säen, leicht mit Erde bedecken, feucht halten – und warten. Dieses Jahr probiere ich das Ganze in der Garage aus, da der Winter noch recht kühl ist. Letztes Jahr stand die Schale im Gewächshaus, und schon nach kurzer Zeit begann der Lauch zu keimen. Mehr müsst ihr zunächst nicht tun: regelmäßig feucht halten und später, wenn es draußen wärmer wird, ins Gewächshaus stellen.
Aus dem kleinen Töpfchen entwickelt sich nach und nach ein dichter Teppich aus Lauchkeimlingen. Die Pflänzchen wachsen oft leicht gebogen aus der Erde und erinnern bald an ein kleines Grasbüschel. Nach den Eisheiligen ist dann der richtige Zeitpunkt gekommen, sie zu vereinzeln und ins Beet zu setzen.
Der richtige Boden für kräftigen Lauch
Lauch ist genügsam, aber beim Boden weiß er genau, was er will. Am liebsten wächst er in einem tiefgründigen, lockeren und nährstoffreichen Boden. Staunässe mag er gar nicht, Trockenstress allerdings auch nicht – die goldene Mitte ist hier der Schlüssel. Bevor die Lauchstangen ins Beet kommen, lockere ich den Boden gründlich. Am besten spaten- oder grabegabeltief, denn Lauch bildet lange Schäfte und möchte nach unten Platz haben. Verdichtete Erde rächt sich später mit dünnen, kurzen Stangen.

Anschließend arbeite ich reifen Kompost oder gut verrotteten Pferdemist ein. Lauch ist ein Starkzehrer und freut sich über eine ordentliche Portion Nährstoffe von Anfang an. Wer keinen Mist zur Hand hat, kommt mit gutem Kompost völlig aus. Frischer Mist hingegen ist tabu – der schadet mehr, als er nützt. Wichtig ist außerdem ein gleichmäßiges, feinkrümeliges Beet. Grobe Erdklumpen drücke ich vor dem Pflanzen etwas auseinander, damit sich die jungen Wurzeln leichter ausbreiten können.
Kurz vor dem Setzen gieße ich das Beet gut an – Lauch zieht lieber in feuchte Erde als in staubtrockenen Boden. Ist der Boden gut vorbereitet, hat der Lauch beste Voraussetzungen, kräftige, lange und aromatische Stangen zu entwickeln. Und genau das zahlt sich später in der Küche aus.
Der kleine Lauch-Trick für kräftige, weiße Stangen
Zum Schluss habe ich noch einen kleinen Trick für euch, mit dem die Lauchstangen besonders kompakt, stabil und schön weiß werden. Wenn ihr den Topf mit den Lauchpflänzchen auseinandernehmt, kürzt ihr zuerst die Wurzeln. Etwa drei Viertel der Wurzellänge können ruhig weg – es bleiben nur ein paar wenige Zentimeter übrig. Keine Sorge: Das schadet dem Lauch nicht, im Gegenteil. Er bildet danach neue, kräftige Wurzeln.

Auch die Blattspitzen werden gekürzt, ungefähr um ein Viertel bis maximal die Hälfte. Dadurch verliert die Pflanze weniger Wasser und steckt ihre Energie zunächst in das Anwachsen statt ins Blattwachstum. Anschließend setzt ihr den Lauch sehr tief in den Boden, sodass nur noch die Spitze aus der Erde herausschaut. Genau das sorgt später für einen langen, stabilen und vor allem weißen Schaft – und darauf kommt es beim Lauch schließlich an.
Jetzt heißt es: ordentlich angießen und den Boden gleichmäßig feucht halten. Schon nach kurzer Zeit sieht man, wie der Lauch, nachdem er neue Wurzeln gebildet hat, richtig loslegt. Während der Vegetationszeit ist Lauch recht hungrig. Als Starkzehrer freut er sich über regelmäßige Nährstoffgaben. Ich dünge alle drei bis vier Wochen mit Kompost, Pflanzenjauche oder einem organischen Gemüsedünger. Wichtig ist dabei, nicht zu übertreiben – lieber regelmäßig kleine Portionen als einmal zu viel.
Zusätzlich hilft es, den Boden zwischendurch leicht anzuhäufeln. Das stabilisiert die Pflanzen und verlängert den weißen Schaft noch ein Stück mehr. Gleichmäßiges Gießen bleibt über die ganze Saison entscheidend, denn Trockenstress quittiert der Lauch schnell mit dünnen Stangen.
Gute Nachbarn im Beet – wer mit Lauch gut klarkommt
Wie viele Gemüsearten hat auch Lauch seine Vorlieben, was die Nachbarschaft im Beet angeht. Die richtigen Beetpartner können das Wachstum fördern, Schädlinge fernhalten und den Platz optimal nutzen.

Besonders gut versteht sich Lauch mit Möhren. Die beiden ergänzen sich perfekt: Während der Lauch mit seinem Geruch Möhrenfliegen abschreckt, hält die Möhre im Gegenzug die Lauchmotte auf Abstand. Eine klassische Win-win-Situation im Gemüsebeet. Auch Sellerie, Spinat, Rote Bete und Erdbeeren sind gute Nachbarn für den Lauch. Weniger gut verträgt sich Lauch mit anderen Zwiebelgewächsen wie Zwiebeln, Knoblauch oder Schnittlauch. Sie konkurrieren stark um Nährstoffe und Platz, was sich schnell im Wachstum bemerkbar macht.
Auch Bohnen und Erbsen zählen nicht zu seinen Lieblingsnachbarn, da sie als Schwachzehrer mit den Ansprüchen des Lauchs nicht gut harmonieren. Wer dem Lauch einen guten Standort mit passenden Nachbarn gönnt, wird mit kräftigen Pflanzen und gesunden Stangen belohnt – ganz ohne großen Mehraufwand.
Ernten, wann immer man Lust auf Lauch hat
Bei der Ernte macht es euch der Lauch besonders leicht. Ihr müsst eigentlich nichts weiter tun, als euch immer wieder eine Stange aus dem Beet zu holen. Ganz nach Bedarf, ganz ohne Stress. Wer den Lauch knapp über den Wurzeln abschneidet, wird oft belohnt: Die Pflanze treibt noch einmal nach und bildet kleinere neue Stangen.

Das ist nicht nur praktisch, sondern sorgt auch dafür, dass man gegen Ende des Jahres noch ein paar frische Lauchportionen ernten kann. Ihr müsst außerdem nicht warten, bis der Lauch richtig dick geworden ist. Auch junger Lauch lässt sich wunderbar verwenden – fast wie eine große Frühlingszwiebel. Zart, mild und perfekt für Pfanne, Suppe oder einfach roh geschnitten im Salat.
Letztes Jahr habe ich es tatsächlich geschafft, alle meine rund 140 Pflanzen vollständig zu verwerten. Keine einzige Stange ist übrig geblieben. Und eines meiner absoluten Lieblingsrezepte mit Lauch war genau dieses – aber dazu gleich mehr.
Sven`s Tagebuch zum Lauchanbau
- 08. Januar 2026: Heute habe ich die Aussaat in Multitopfplatten (24er QuickPods) vorgenommen. Für den Lauch habe ich jeweils eine Reihe von sechs Pods genutzt und mit der Sorte Blaugrüner Winter ausgesät. Dabei habe ich flächig ausgesät, bis das Päckchen aufgebraucht war, da ich viel Lauch verwende. Das sind ca. 140 Lauchstangen 🙂 Als Substrat habe ich nährstoffarme Aussaaterde von Floragard verwendet. Die Samen habe ich leicht mit Erde bedeckt. Die Platten stehen zunächst in der Garage vor dem Fenster bei etwa 6 °C, bis die stärksten Fröste vorbei sind. Anschließend stelle ich sie ins Gewächshaus. Zum Angießen nutze ich die Ballbrause, danach gieße ich nur noch von unten über die Untersetzer. Dabei achte ich darauf, nicht zu viel Wasser zu geben – besonders bei Kälte – damit keine Staunässe entsteht, die Erde aber auch nicht austrocknet.
- 04.Februar 2026: Die ersten Keimlinge gucken aus der Erde. 🙂

