Sven`s Anbautipps zu Spitzkohl

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Schon gewußt?
Spitzkohl ist nicht nur zarter als andere Kohlsorten, sondern auch leichter verdaulich, weil er weniger Schwefelverbindungen enthält. Deshalb verursacht er deutlich seltener Blähungen – was ihm im Englischen sogar den Ruf eines „gentle cabbage“ eingebracht hat.

Heute habe ich ein Gemüse für euch, bei dem ich vor ein paar Jahren noch ziemlich die Nase gerümpft hätte. Kohl gehörte definitiv nicht zu meinen Lieblingsgemüsen. Doch wie so oft im Leben: Geschmäcker wandeln sich. Besonders Spitzkohl mit seinen zarten Blättern hat es mir inzwischen angetan. Er ist unglaublich vielseitig in der Küche – man kann ihn ganz schlicht blanchieren, mit Miso-Paste bestreichen und anschließend in der Pfanne anbraten. Dazu ein frisches Sauerteigbrot mit Butter … und mir läuft das Wasser im Mund zusammen. Auch in meinen Fermenten spielt Spitzkohl eine große Rolle, eigentlich in vielen davon. Allein das ist schon Grund genug, ihm einen festen Platz im Garten zu geben. Ganz reibungslos lief das allerdings nicht.

Nahaufnahme von üppigen grünen Kohlpflanzen, die in Reihen in einem Garten oder auf einem Bauernhof wachsen, wobei im Hintergrund unscharfes Grün und andere Pflanzen zu sehen sind.

Mal wurden die jungen Pflanzen komplett von Kohlweißlingen kahlgefressen, in einem anderen Jahr hatte ich sie viel zu eng gepflanzt und ein weiteres Mal haben die Schnecken ganze Arbeit geleistet. Trotz all dieser Rückschläge haben wir uns in den letzten Jahren angefreundet. Ich habe nach und nach eine Methode gefunden, mit der ich den Spitzkohl gut durch unsere relativ kurze Gartensaison bekomme.

Wie versprochen habe ich hier ganz unten ein Tagebuch angelegt, in dem ich alle meine Erkenntnisse für dieses Jahr festhalte. Vielleicht habt ihr ja Lust, mitzumachen und zu verfolgen, wie sich der Spitzkohl in unserem Garten entwickelt.

Warum ich Spitzkohl liebe

Nahaufnahme von grünen Blattgemüsepflanzen, möglicherweise Kohl oder Rosenkohl, die in einem Garten mit unscharfen Bäumen und einem Haus im Hintergrund wachsen.

Spitzkohl ausgesprochen gesund. Er liefert reichlich Vitamin C, enthält viele sekundäre Pflanzenstoffe, ist leichter verdaulich und unterstützt die Darmgesundheit – besonders in fermentierter Form. Und wer es herzhafter mag oder aus meiner alten Heimat stammt, kennt natürlich den guten alten Schichtkohl: Kartoffeln, Hackfleisch und Kohl lagenweise geschichtet – echtes Seelenessen.

Kohlgemüse ist frostresistent und keimt bereits bei vergleichsweise niedrigen Temperaturen. Je nach Sorte liegt die Keimtemperatur etwa zwischen 5 und 20 °C. Damit eignet sich Kohl hervorragend für die Vorkultur und kann – bei frühem Start – bereits im April geerntet werden.

Besonders gern baue ich Spitzkohl an, da er deutlich weniger Platz im Beet benötigt. Während klassischer Weißkohl etwa 50–60 cm Abstand braucht, kommt Spitzkohl schon mit rund 30–35 cm aus. Dadurch lässt er sich wunderbar in kleinen Horsten anbauen: leicht versetzt gepflanzt und gern mit anderen Kulturen dazwischen.

Ein nährstoffreicher Boden als Grundlage

Spitzkohl gehört zu den Starkzehrern und stellt entsprechend hohe Ansprüche an den Boden. Am wohlsten fühlt er sich in einem tiefgründigen, humusreichen und gut durchlüfteten Beet, das Wasser speichern kann, ohne zu Staunässe zu neigen.

Zur Beetvorbereitung arbeite ich im Frühjahr reifen Kompost mit verrotteten Pferdemist großzügig in den Boden ein. Alternativ oder ergänzend eignet sich auch Wurmhumus oder ein organischer Langzeitdünger wie Hornspäne. Wichtig ist, den Boden nicht nur oberflächlich zu versorgen, sondern ihm in der Tiefe Nahrung mitzugeben – denn Spitzkohl bildet ein kräftiges Wurzelsystem aus.

Während der Kulturzeit freut sich der Kohl über regelmäßige Nachdüngung. Besonders in der Phase des starken Blattwachstums hat er einen hohen Bedarf an Stickstoff, aber auch Kalium und Calcium spielen eine wichtige Rolle für stabile Köpfe und gesunde Pflanzen. Ich dünge bevorzugt mit Pflanzenjauchen wie Brennnessel oder Beinwell oder gebe in größeren Abständen noch einmal etwas Kompost rund um die Pflanzen.

Ungebetene Gäste im Kohlbeet

Spitzkohl ist leider nicht nur bei uns Menschen beliebt – auch zahlreiche Insekten und andere Fressfeinde haben ihn zum Fressen gern. Allen voran der Kohlweißling: Dieser eigentlich wunderschöne, weiße Schmetterling legt seine Eier bevorzugt auf den Kohlblättern ab. Die daraus schlüpfenden Raupen machen sich dann in kürzester Zeit über die Pflanzen her.

A close-up of young leafy green plants growing in dark soil, with a white plant label on the left side and a blurred covering over the plants.

So kam es bei mir sogar schon zu einem kompletten Ernteausfall. Aus diesem Grund habe ich mir angewöhnt, Kohl – insbesondere Spitzkohl – konsequent unter Netzen anzubauen.

Gemüseschutznetze sind dabei ein äußerst hilfreiches Mittel, denn sie halten die Schmetterlinge zuverlässig fern und verhindern, dass sie überhaupt an die Blätter gelangen.

Gute Nachbarn im Beet

Spitzkohl profitiert sehr von einer durchdachten Mischkultur. Die richtigen Beetnachbarn unterstützen sein Wachstum, halten Schädlinge fern und sorgen für ein ausgeglicheneres Bodenleben.

Besonders gut eignen sich aromatische Kräuter wie Dill, Thymian oder Salbei. Auch Blumen wie die Ringelblume oder das Eisenkraut hilft dem Kohl. Ihr Duft kann Kohlweißlinge irritieren und sie davon abhalten, ihre Eier an den Pflanzen abzulegen. Auch Zwiebeln, Lauch und Knoblauch sind gute Nachbarn für Spitzkohl. Sie wirken ebenfalls abschreckend auf Schädlinge und nehmen dabei nur wenig Platz im Beet ein.

Salate, Spinat oder Radieschen lassen sich gut zwischen den jungen Kohlpflanzen anbauen, da sie schneller wachsen und geerntet sind, bevor der Spitzkohl seinen Platz vollständig einnimmt. Weniger geeignet sind dagegen andere Kohlarten oder stark zehrende Pflanzen direkt daneben, da sie um die gleichen Nährstoffe konkurrieren. Mit einer vielfältigen Mischkultur entsteht ein lebendiges Beet, in dem der Spitzkohl kräftig wachsen kann und sich sichtbar wohler fühlt.

Sven`s Tagebuch zum Spitzkohlanbau

  • 08. Januar 2026: Heute habe ich die Aussaat in Multitopfplatten (24er QuickPods) vorgenommen. In jedes Töpfchen kamen 2–3 Samen der Sorte Erstling , die später vereinzelt werden, insgesamt habe ich 15 Pflanzen (ein bisschen zu viel :-)) ausgesät. Als Substrat habe ich nährstoffarme Aussaaterde von Floragard verwendet. Die Aussaattiefe beträgt ca. 1 cm. Die Platten stehen zunächst in der Garage vor dem Fenster bei etwa 6 °C, bis die stärksten Fröste vorbei sind. Anschließend stelle ich sie ins Gewächshaus. Zum Angießen nutze ich die Ballbrause, danach gieße ich nur noch von unten über die Untersetzer. Dabei achte ich darauf, nicht zu viel Wasser zu geben – besonders bei Kälte – damit keine Staunässe entsteht, die Erde aber auch nicht austrocknet.
  • 25. Januar 2026: Die ersten Keimlinge gucken aus der Erde.
  • 28.Januar 2026: Alle Keimlinge sind aufgegangen.

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