Ich hatte es Euch ja versprochen: Dieses Jahr, in dem die Mirabellen wie kleine Sonnen an den Bäumen hängen, gibt es ein paar Rezepte von mir – als Dank an diese verschwenderische Ernte und an Euch, die Ihr hier immer wieder mitlest, ausprobiert, mitkocht.

Dieses folgende Rezept ist für mich eine kleine kulinarische Verneigung vor unserem Lieblingsrestaurant in Hildesheim: dem Georgier Alasani. Wer einmal dort war, fühlt sich wie eingeladen zu einer georgischen Familie am großen Tisch, wo das Essen nicht nur Nahrung, sondern ein Erlebnis ist. Für ein paar Stunden wird man Teil einer warmen, lebendigen Geschichte, in der jede Zutat mit Bedacht und Liebe gewählt wird – genau das schmeckt man bei jedem Bissen.
Ein Lieblingsort – Gastfreundschaft und georgische Küche
Ich liebe es, mit meiner Frau ins Alasani zu gehen. Nicht nur, weil die georgische Küche so verschwenderisch mit Aromen umgeht, sondern weil man dort willkommen ist, als würde man bei einer georgischen Familie am Küchentisch sitzen. Der Opa steht selbst am Herd, rührt, kostet, füllt Teller. Die Töchter bringen sie mit einer Geschichte an den Tisch. Für dieses Gericht hat er tatsächlich Mirabellen von der Schwarzen Heide gesammelt – allein das macht es schon besonders.
Die georgische Küche ist zwar gerne fleischlastig – Schaschlik, Khinkali, Mzwadi! – aber sie versteht es auch, Gemüse in all seinen Farben und Möglichkeiten zu zeigen. Und, was ich daran liebe: Sie spart nie an Walnüssen. Gefühlt wachsen in Georgien mehr Walnussbäume als irgendwo sonst auf der Welt.
Rote Bete, Mirabellen und Wallnüsse – eine unerwartete Begegnung

Als ich diese Kombination zum ersten Mal auf der Karte sah, war ich neugierig: Rote Bete, diese ehrliche, erdige Knolle, trifft auf die süß-säuerlichen, sonnengelben Mirabellen? Das musste ich probieren. Und was soll ich sagen: Ich war überrascht, wie gut das harmoniert. Die Mirabellen heben die Schwere der Roten Bete auf, kitzeln ihre Süße hervor, bringen Säure ins Spiel. Ein Mundvoll Spätsommer.
Und dann die Walnüsse! Diese georgische Großzügigkeit, Walnüsse überall hineinzugeben, ist einfach genial. Sie bringen Biss, Fett, ein bisschen Bitterkeit – und runden das Ganze ab. Ich frage mich manchmal, warum wir hierzulande nicht viel öfter so verschwenderisch mit Nüssen umgehen. Vielleicht brauchen wir mehr georgischen Geist in unseren Küchen.
Warum hängen die Mirabellen dieses Jahr so voll?
Vielleicht habt Ihr es auch schon gesehen: 2025 ist (oder war?) ein Mirabellenjahr ohnegleichen. Die Äste biegen sich, die Eimer füllen sich schneller, als man sie leeren kann. Woran das liegt? Vielleicht war der Winter gnädig, der Frühling freundlich, vielleicht haben wir einfach Glück. Manche sagen, Bäume tragen alle paar Jahre „mastreich“, um ihre Kräfte zu bündeln. Dieses Jahr also: volle Kraft voraus.
Geschmacksebenen, die ein Gericht besonders machen

Was mich an diesem Gericht so fasziniert: Sie vereint alles, was gutes Essen ausmacht. Die Inder wissen das, die Japaner auch: Süße, Säure, Salzigkeit, Schärfe, Umami – alles darf sich zeigen. Jede Komponente hat ihren Platz, nichts drängt sich vor. In diesem Gericht ist das nicht anders: Die Cremigkeit der Roten Bete, die Fruchtigkeit der Mirabellen, der Crunch der Walnüsse. Eine kleine Reise über den Teller.
Ich habe ein bisschen recherchiert, ob diese Kombi vielleicht ein traditionelles georgisches Rezept ist – aber ich habe nichts gefunden. Wahrscheinlich war es einfach eine kreative Idee vom Opa, der mit offenen Augen durch die Heide läuft und schaut, was gerade reif ist. Rote Bete kennen wir ja sowieso gut aus Osteuropa. Und wer meinen Blog verfolgt, weiß: Ich liebe sie. Sie ist für mich wie ein kleiner Motor – Doping für den Löffel.
Und jetzt – Ab in die Küche!
Hier also mein Rezept für Euch – eine Soße, die auf Brot, zu Ofengemüse oder einfach pur ein kleiner georgischer Sonnenstrahl ist.

Sven`s Rote Bete in Mirabellen-Soße mit Walnüssen
Kochutensilien
- 1 Messer
- 1 Löffel
- 1 Schneidebrett
- 1 Pfanne
- 1 Pürierstab
Zutaten
- 300 Gramm gekochte Rote Bete
- 200 Gramm Mirabellen entkernt
- 1 rote Zwiebel
- 1 Knoblauchzehe
- 50 Gramm Walnüsse
- 2 EL Olivenöl
- 1 EL Ahornsirup oder Honig
- 1 Spritzer Apfelessig oder Zitronensaft
- Salz & Pfeffer
- Chili nach belieben
Anleitungen
- Alles vorbereiten: Die Rote Bete entweder im Ofen weich garen oder in einem Topf mit Wasser sanft köcheln, bis sie zart ist. Anschließend abkühlen lassen und die Schale abziehen. Zwiebel fein würfeln, Knoblauch schälen. Die Mirabellen halbieren und die Kerne – meditativ – herauslösen.
- Walnüsse rösten: Die Walnüsse in einer Pfanne ohne Fett goldbraun rösten, bis sie duften. Danach beiseite stellen. Der kleine Crunch kommt später ganz groß raus.
- Zwiebel & Knoblauch anschwitzen: In der Pfanne das Olivenöl erhitzen. Zwiebelwürfel glasig dünsten, Knoblauch dazugeben, kurz mitrösten. Dann die Mirabellenhälften hineingeben und ein paar Minuten schmurgeln lassen, bis alles schön weich wird.
- Pürieren & mixen: Die warme Mirabellenmischung mit einem Pürierstab zu einer Soße pürieren – nicht zu fein! Ein bisschen Struktur macht das Ganze lebendig.
- Rote Beete schneiden: Die gegarte Rote Bete in mundgerechte Stücke schneiden und unter die warme Mirabellenmischung heben. Wer mag, kann einen Teil ganz leicht anpürieren und unter die Mirabellensoße heben – aber bitte nicht zu fein! Die Soße lebt davon, dass sie noch Struktur hat: saftige Fruchtstücke, weiche Bete, kleine Nusskrümel.
- Abschmecken: Jetzt wird’s rund: Mit Salz, Pfeffer, einem Spritzer Essig oder Zitrone abschmecken. Wer mag, süßt noch mit Honig oder Ahornsirup nach.
- Walnüsse unterheben: Die gerösteten Walnüsse vorsichtig unterheben. Ein paar grobe Stückchen dürfen bleiben – die knacken so schön beim Essen.
- Genießen: Fertig! Warm oder kalt servieren – aufs Brot, zu Ofengemüse oder direkt vom Löffel in den Mund.
Hallo Sven, ich werde dieses interessante Rezept ausprobieren wenn die Mirabellen im Garten reif sind. Ich war ebebfalls schon häufiger im Alasani und kann dich nur bestätigen. Ich liebe dort Geflügel in Walnuss Sahnesosse. Ich weiss jetz schon, dass diese Kombination mit den Mirabellen schmeckt
Das wird sie bestimmt 🙂