Sven`s Brot-Kwas – Aus Alt wird prickelnd

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Schon gewußt?
Wusstest du, dass altes Brot in der Vergangenheit als Heilmittel genutzt wurde? In manchen Regionen wurde es sogar als „Lebensmittel für die Seele“ bezeichnet. Man sagte, dass altes Brot helfen könnte, den Körper zu „reinigen“ und die Verdauung anzukurbeln. Heute wird altes Brot vor allem für leckere Rezepte wie Brot-Kwas oder Semmelbrösel verwendet – aber die Geschichte zeigt, dass unser Vorfahren schon immer wussten, wie wertvoll gutes Brot sein kann!

Auf dem Neustädter Markt hat mir Cordula vom Milchschaf letzten Mittwoch eine Tüte mit altem Brot in die Hand gedrückt – Brot, das sie nicht mehr verkaufen konnte.

Ich finde es wirklich bewundernswert, dass sie es nicht einfach entsorgt, sondern es lieber an ihre Kunden verschenkt. So viel Gutes steckt in diesem Brot, das sonst einfach verschwinden würde. Zu Hause angekommen, stand ich nun vor drei Broten und vier Brötchen und fragte mich: Was mache ich damit? Ich hatte doch gerade erst ein frisches Sauerteigbrot gebacken und da lagen diese Reste, die fast genauso gut waren, nur eben nicht mehr ganz frisch.

Während ich da so vor den Broten stand, kam mir plötzlich ein anderer Gedanke: Wie viel Brot wird eigentlich in Deutschland täglich weggeworfen? Wie viel Arbeit und Energie steckt in einem einzigen Laib Brot, der dann einfach im Müll landet? Die Vorstellung, wie viele Menschen und Ressourcen hinter jedem einzelnen Brot stecken, machte mich nachdenklich. Ich machte mich auf die Suche – und war ziemlich schockiert von den Zahlen, die ich fand.

Eine erschreckende Bilanz – Brotverschwendung in Deutschland

In Deutschland landen jährlich etwa 1,7 Millionen Tonnen Brot und Backwaren im Müll. Das sind rund 500.000 Brote – jeden einzelnen Tag! Um sich das vorzustellen: Stellt euch vor, wir würden täglich eine Brot-Kette von Hamburg bis München einfach entsorgen.

Eine Strecke, die bis zu 500.000 Brote aneinander gereiht erfordert – jeden Tag! Eine gewaltige Verschwendung, die nicht nur enorme Ressourcen verschlingt, sondern auch ein deutliches Zeichen unserer Wegwerfgesellschaft setzt. Ein System, in dem wir Dinge konsumieren und dann einfach wegwerfen, ohne darüber nachzudenken, was für eine Kettenreaktion diese Verschwendung auslöst. Doch statt mich weiter über diese erschreckenden Zahlen aufzuregen, beschloss ich, nicht tatenlos zuzusehen. Ich wollte herausfinden, wie ich das übrig gebliebene Brot sinnvoll nutzen kann – und so machte ich mich auf die Suche nach kreativen Wegen, altes Brot zu verarbeiten. Und was ich dabei entdeckte, hat mich begeistert!

Altes Brot weltweit – Kein Krümel wird verschwendet

Während in Deutschland tonnenweise Brot im Müll landet, haben andere Länder clevere Wege gefunden, es weiterzuverwenden. Hier ein kleiner Blick über den Tellerrand – oder besser gesagt: in die Töpfe anderer Kulturen.

🇷🇺 Russland – Kwas
Sprudelnd und probiotisch – In Russland – und vielen anderen osteuropäischen Ländern – hat Kwas eine lange Tradition. Altes Roggenbrot wird nicht weggeworfen, sondern in Wasser eingeweicht, leicht gesüßt und mithilfe von etwas Hefe oder wilder Fermentation zum Leben erweckt. Dabei entsteht ein erfrischendes, leicht sprudelndes Getränk mit einer mild-säuerlichen, malzigen Note. Die natürliche Gärung wandelt Zucker in milde Säure und feine Kohlensäure um – ganz ohne aufwendige Technik. Ein wunderbares Beispiel dafür, wie aus vermeintlichen Resten ein lebendiges, nährstoffreiches Getränk entsteht.

🇫🇷 Frankreich – Pain Perdu
Das berühmte „verlorene Brot“ – oder auf Französisch pain perdu – ist nichts anderes als unser guter alter Armer Ritter. Ein Klassiker der Resteküche, der zeigt, wie köstlich einfach Nachhaltigkeit sein kann. Trockenes Baguette oder altbackenes Weißbrot wird in einer Mischung aus Ei und Milch eingeweicht, bis es sich vollgesogen hat, und dann in der Pfanne goldbraun gebraten. Außen knusprig, innen weich – ein himmlisches Frühstück, das nach Kindheit schmeckt. Mit Zimt, etwas Zucker oder frischen Früchten wird daraus ein Fest am Morgen.

🇮🇹 Italien – Panzanella
Die Italiener zeigen, wie’s geht – Aus trockenem Brot zaubern sie Panzanella, einen aromatischen Brotsalat, der den Sommer auf den Teller bringt. Das Brot wird in Stücke gerissen, mit reifen Tomaten, gutem Olivenöl, Basilikum, Zwiebeln und einem Schuss Essig vermengt – und saugt sich mit all den köstlichen Aromen voll. Das Ergebnis ist eine perfekte Balance aus saftig und knackig, frisch und herzhaft. Ein Paradebeispiel für einfache Küche mit Seele – und ein Hoch auf Brot, das längst noch nicht am Ende ist.

🇪🇸 Spanien – Migas
In Spanien wird aus alten Brotkrumen ein Festessen – Die Migas – wörtlich „Krümel“ – stammen aus der bäuerlichen Küche und zeigen eindrucksvoll, wie aus wenig viel werden kann. Altbackenes Brot wird klein gezupft und in Olivenöl mit Knoblauch und Paprika goldbraun geröstet. Oft kommen noch Chorizo, gebratene Paprika oder ein Spiegelei dazu. Deftig, einfach und voller Geschmack – ein Gericht, das nach Heimat schmeckt und zeigt, wie wertvoll jedes Stück Brot sein kann.

🇬🇷 Griechenland – Dakos
Auf Kreta wird hartes Brot zur Delikatesse –Für Dakos – eine traditionelle Spezialität der Insel – dient geröstetes oder getrocknetes Brot als knusprige Grundlage. Darauf kommen reife, fein gehackte Tomaten, reichlich Olivenöl, Feta oder der kretische Mizithra und oft noch Oregano und Oliven. Das Brot saugt die Aromen auf, bleibt dabei aber angenehm bissfest – einfach, ehrlich und unglaublich aromatisch. Ein mediterraner Genuss, der Sonne und Meer auf den Teller bringt und zeigt, wie köstlich Altes neu gedacht werden kann.

🇮🇳 Indien – Bread Upma
In Indien wird altes Brot zum aromatischen Pfannengericht – Mit Zwiebeln, Tomaten und einer bunten Mischung aus Gewürzen wie Kurkuma, Kreuzkümmel und Chili wird trockenes Brot in der Pfanne geröstet. Das Ergebnis: ein herzhaftes, duftendes Gericht namens Bread Upma – sättigend, bunt und voller Geschmack. Was einst als trocken und unscheinbar galt, wird so zu einer vollwertigen Mahlzeit, die Wärme, Würze und Kreativität vereint. Ein wunderbares Beispiel für gelebte Resteküche mit Seele.

Altes Brot im neuen Brot – eine zweite Chance für jeden Krümel

Altes Brot muss nicht im Müll landen – es kann eine wertvolle Zutat für neues, leckeres Brot sein! Bei mir steht immer eine Schale auf dem Schrank, in der ich übrig gebliebenes Brot trockne. Ich sammle es, bis genug zusammenkommt – manchmal sind es nur ein paar Krümel, manchmal ein ganzer Laib. Nach ein paar Wochen landet das trockene Brot im Mixer und wird zu feinen Semmelbröseln verarbeitet.

Doch das ist noch nicht alles! Besonders spannend wird es, wenn ich das alte Brot als Brühstück benutze. Dabei wird das zerkleinerte Brot mit heißem Wasser übergossen und quellen gelassen. Das sorgt nicht nur für eine wunderbar saftige Krume, sondern bringt auch eine ordentliche Portion Geschmack in das neue Brot. Und das Beste? Durch das Brühstück bleibt das Brot länger frisch und bekommt einen intensiveren, volleren Geschmack.

Wie genau das funktioniert und warum dieses kleine Brot-Geheimnis so effektiv ist, teile ich bald in einem eigenen Blog-Artikel – also bleibt gespannt!

Brot-Kwas – Altes Brot, neu belebt

Ich möchte euch ein Rezept an die Hand geben, womit ihr aus altem Brot ein wunderbar probiotisches Getränk machen könnt. Kwas ist ein traditionelles osteuropäisches Fermentationsgetränk, das seit Jahrhunderten geschätzt wird – nicht nur wegen seines erfrischenden, leicht säuerlichen Geschmacks, sondern auch wegen seiner positiven Wirkung auf die Verdauung.

Dank der Milchsäuregärung steckt Brot-Kwas voller lebendiger Mikroorganismen, die unsere Darmflora unterstützen. Eine gesunde Darmflora ist das A und O für unser Immunsystem, unsere Nährstoffaufnahme und sogar unsere Stimmung. Zudem liefert Kwas wertvolle Enzyme und B-Vitamine, die während der Fermentation entstehen. Kurz gesagt: Ein Schluck altes Brot in flüssiger Form, der nicht nur schmeckt, sondern auch guttut!

Jetzt geht’s ans Rezept – ihr werdet überrascht sein, wie einfach es ist!

Sven`s Brot-Kwas

Aus altem Brot ein spritziges, probiotisches Getränk zaubern? Mit diesem einfachen Rezept für Brot-Kwas verwandelst du Lebensmittelreste in eine erfrischende, gesunde Köstlichkeit!
Servings 2 Flaschen
Vorbereitungszeit 10 Minuten
Zubereitungszeit 3 Tage

Kochutensilien

  • 1 Bügelglas min. 3 Liter
  • 1 Löffel
  • 1 Waage

Zutaten

  • 300 Gramm altes Brot am besten Sauerteigbrot
  • 2 Liter Wasser
  • 1 Handvoll Rosinen oder andere Trockenfrüchte
  • 50 Gramm Rohrohrzucker
  • 2 EL Ingwerbierstarter / Rote Beete Kwas oder Molke Das Rezept für den Ingwerbierstarter und die Rote beete Kwas findet ihr auf meinen Blog.
  • Ein großes Bügelglas mind. 3 Liter
  • Ein Passiertuch oder feines Sieb
  • 2 1Liter Bügelflaschen für die Nachfermentation

Anleitungen

  • Vorbereitung: Das große Bügelglas mit Wasser füllen und den Zucker darin auflösen.
  • Brot & Co. dazugeben: Das alte Brot in Stücke brechen und zusammen mit den Trockenfrüchten ins Glas geben.
  • Fermentation starten: Zwei Esslöffel Ingwerbierstarter, Rote Beete Kwas oder Molke hinzufügen und das Glas ohne Gummiring locker verschließen.
  • Erste Fermentation: Das Ganze für 24 Stunden bei Raumtemperatur stehen lassen.
  • Abseihen: Nach einem Tag die Flüssigkeit durch ein Passiertuch oder feines Sieb in eine Schüssel gießen, um Brot- und Fruchtreste zu entfernen. Brot vorher ausdrücken.
  • Zweite Fermentation: Den gefilterten Kwas in Bügelflaschen füllen und für weitere zwei Tage fermentieren lassen. Wer es besonders spritzig mag, kann in jede Flasche noch einen Teelöffel Ingwerbug-Starter geben.
  • Genießen: Nach zwei Tagen ist der Kwas trinkfertig. Im Kühlschrank hält er sich bis zu zwei Wochen.
Gericht: Getränke
Küche: Probiotisch
Keyword: Brot, Trockenfrüchte, Wasser, Zucker

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