Das Wunder des Sauerteigs

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Schon gewußt
Einige Bäcker pflegen ihre Sauerteige über Jahrzehnte hinweg – der älteste bekannte Sauerteig-Starter ist über 120 Jahre alt! Solche Sauerteige entwickeln mit der Zeit einzigartige Aromen und Charaktere, da sie sich stetig an ihre Umgebung und die Bäcker, die sie füttern, anpassen.

Ja, es gibt sie, diese kleinen Wunder. Sie geschehen jeden Tag tausendfach auf diesem schönen Planeten. Eines dieser Wunder möchte ich euch heute besonders ans Herz legen: Sauerteig. Aus nur zwei simplen Zutaten – Mehl und Wasser – entsteht mit Hilfe vieler kleiner Helfer in der Luft, etwas Geduld und ganz viel Liebe ein lebendiger Teig, der euer Zuhause bereichern wird. Sauerteig ist mehr als nur ein Mittel zum Zweck, er entwickelt sich über die Monate, wird kräftiger, intensiver und passt sich sogar eurer Umgebung und eurer Darmflora an. Er ist ein stiller Begleiter, um den man sich kümmern muss, nicht viel, aber regelmäßig. Und wenn ihr erst einmal den Duft eines frisch gebackenen Sauerteigbrotes in der Küche habt, werdet ihr ihn lieben – und dankbar sein.

Wie Sauerteig entsteht – Das Zusammenspiel der Natur

Was genau passiert, wenn Mehl und Wasser vermischt und bei Zimmertemperatur stehen gelassen werden? Sauerteig ist im Grunde ein lebendiges System. In der Luft, auf dem Mehl und auf unserer Haut befinden sich natürliche Hefen und Milchsäurebakterien. Sobald das Wasser mit dem Mehl in Berührung kommt, beginnen diese Mikroorganismen, sich zu vermehren.

Die Hefen produzieren dabei Kohlendioxid, was für die Lockerung des Teigs verantwortlich ist, während die Milchsäurebakterien den Zucker im Mehl in Milchsäure umwandeln. Diese sorgt für den leicht säuerlichen Geschmack und macht den Teig haltbarer. Nach etwa fünf bis sieben Tagen, in denen der Teig täglich gefüttert wird, habt ihr einen stabilen Sauerteig, der bereit ist, euer Brot zu beleben.

Warum ist Sauerteig so gesund?

Sauerteigbrot ist nicht nur wegen seines besonderen Aromas beliebt, sondern auch wegen seiner gesundheitlichen Vorteile. Die langen Gärzeiten ermöglichen es den Mikroorganismen, die schwer verdaulichen Bestandteile des Mehls, wie Phytinsäure, abzubauen. Phytinsäure blockiert normalerweise die Aufnahme von Mineralstoffen im Körper, doch durch den Abbau im Sauerteigbrot können Eisen, Zink und Magnesium viel besser vom Körper aufgenommen werden.

Zudem sorgen die Milchsäurebakterien für eine leichte Vorverdauung, was das Brot für unseren Magen-Darm-Trakt bekömmlicher macht und die Darmflora unterstützt.

Das Problem mit konventionellem Brot

Viele von uns haben wahrscheinlich schon erlebt, dass konventionelles Brot nicht immer gut vertragen wird. Das liegt oft daran, dass industrielle Bäckereien wenig Zeit in die Teigführung investieren und stattdessen auf Zusatzstoffe und Emulgatoren setzen. Konventionelles Brot wird häufig aus billigen Zutaten hergestellt, und durch die kurze Fermentation bleiben schwer verdauliche Stoffe im Teig. Emulgatoren und Konservierungsmittel, die zugesetzt werden, um das Brot länger haltbar zu machen, belasten unseren Darm zusätzlich und können Unverträglichkeiten und Allergien begünstigen. Sauerteigbrot hingegen fermentiert natürlich über viele Stunden, was für eine bessere Verträglichkeit sorgt und das Brot auf natürliche Weise länger haltbar macht.

Mein Weg zum perfekten Sauerteigbrot

Es hat eine Weile gedauert, bis ich das erste perfekte Brot aus dem Ofen geholt habe. Es gab einige Rückschläge, aber mit der Zeit habe ich gelernt, dass ein gutes Brot gar nicht so schwer zu backen ist. Deshalb möchte ich hier meine Erfahrungen und Rezepte mit euch teilen. Das Wichtigste, was ich euch ans Herz legen kann: Investiert in gutes Mehl. Mehl aus konventionellem Anbau ist oft mit Pestiziden belastet, und die natürlichen Hefen auf dem Korn sind gestört.

Ideal ist Mehl aus biologischem Anbau, am besten Demeter-Qualität. Ich verwende seit Jahren das Mehl von der Spielberger Mühle, da es aus meiner Region kommt und eine hervorragende Qualität hat.

Roggen oder Weizen – Welcher Sauerteig passt zu dir?

Ich persönlich liebe kräftige Roggenvollkornbrote und habe mich deshalb für Roggensauerteig entschieden. Wer lieber fluffige Brote mag, kann auch mit einem Weizensauerteig experimentieren. Beide Varianten lassen sich wunderbar in den Kühlschrank stellen, um die Pflegeintervalle zu verlängern. Sauerteig ist lebendig und wird sich mit der Zeit an eure Umgebung und sogar an eure persönliche Darmflora anpassen. Übrigens: Ich habe meinem Sauerteig einen Namen gegeben – Sophia. Sie ist inzwischen eine Begleiterin, die ich nicht mehr missen möchte!

Ein kleiner Vorgeschmack

Stellt euch vor, ihr schneidet eine frische, noch warme Scheibe von eurem selbst gebackenen Brot ab, streicht ein wenig Butter darauf und belegt sie mit eurem hausgemachten Kimchi. Nicht nur euer Darm wird es euch danken, sondern auch euer Gaumen!

5 von 1 Bewertungen

Sven`s Roggensauerteig

Um einen Roggensauerteig herzustellen, mische Roggenvollkornmehl und lauwarmes Wasser, lasse die Mischung über mehrere Tage bei Zimmertemperatur stehen und füttere sie täglich mit Mehl und Wasser, bis der Teig aktiv und bereit zum Backen ist.
Servings 1 Sauerteig
Vorbereitungszeit 5 Minuten
Zubereitungszeit 5 Tage

Kochutensilien

  • 1 Glas oder Weckglas ca. 500 ml, gesäubert
  • 1 Löffel wenn du deinen Finger nicht benutzten möchtest 🙂

Zutaten

  • 100 Gramm bestes Roggenvollkornmehl Bio / Demeter
  • 100 ml Wasser Zimmertemperatur
  • Liebe, Geduld und Zeit!

Anleitungen

  • Tag 1: Vermische 100 g Roggenmehl mit 100 ml lauwarmem Wasser in einem Glas. Rühre am besten mit den Fingern um, so gelangen die natürlichen Hefen von deiner Haut in den Teig. Decke das Glas mit einem Tuch ab und lasse den Teig bei Zimmertemperatur stehen.
  • Tag 2–4: Füttere den Teig jeden Tag mit weiteren 50 g Mehl und 50 ml Wasser. Du wirst bemerken, dass kleine Bläschen entstehen und der Teig leicht säuerlich riecht. Das ist ein gutes Zeichen – dein Sauerteig lebt!
  • Tag 5: Dein Sauerteig sollte jetzt aktiv sein und kann verwendet werden. Er ist nun bereit, um als Basis für dein erstes Sauerteigbrot zu dienen.
  • Ein Tipp: Lass den Sauerteig im Wohnbereich stehen, damit er die natürlichen Hefen und Bakterien aus der Luft aufsammeln kann. So wird er einzigartig und ganz individuell an deine Umgebung angepasst.
Author: Sven Tasch
Gericht: Brot
Küche: Probiotisch
Keyword: Liebe, Roggenmehl, Sauerteig, Wasser

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  1. 5 Sterne
    Deine Tipps und Rezepte sind der Hammer!

    1. Danke liebe Anja 🙂 Viel Spaß beim backen…

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